Montag, Juni 20, 2016

Money for nothing? YES!

Ich bin ein fauler Sack. Daran gibt es überhaupt nichts rumzudeuten. Diesen Umstand will ich benutzen um ein eindeutiges Votum zu einem bedingungslosen Grundeinkommen abzugeben. Als Beispiel soll mir hier eine unerträgliche Situation dienen der ich jeden Montag ausgesetzt bin. Unerträglich ist jetzt vielleicht ein bisschen dick aufgetragen, sagen wir eher: schwer erträglich, langatmig, nicht endend wollend, sinnentleert und überflüssig. Warum erdulde ich diese ominöse Situation? Ganz einfach und etwas ernüchternd, wenn nicht sogar enttäuschend, ich tue es für das Geld. Es ist nicht viel Geld, ich verkaufe eine Stunde meines Lebens für etwa 11 Euro. Niederschmetternd wenn ich das so runter rechne. Ein gesamtes Monatsgehalt kaschiert den Fakt besser. Wie auch immer, jeden Montag bin ich gezwungen 4 Stunden meines Lebens (44€) an einem Arbeitsplatz zu verbringen an dem ich nur einmal die Woche für eben diese 4 Stunden bin. Es ist extrem schwer die Kinder kennen zu lernen und mit den Kolleg*innen wird man bei solch einem Arbeitsrhythmus auch nicht mal eben so warm. Auch habe ich keine feste Gruppe oder bin irgendwie eingeplant. Meist mache ich Vertretungen für abwesende Kolleg*innen. Ich habe mich wiederholt an meinen Arbeitgeber gewandt mit der Bitte diese total bescheuerte Regelung zu überdenken. Ironisch: selbst die Leitung der Montagseinrichtung betont die Sinnlosigkeit meines Einsatzes bei ihnen. Auf meine Frage wieso dann an der Regelung festgehalten wird teilte mir die Leitung mit dass sie es wissen würden, mir aber nicht sagen dürfen!? Wer da Schikane wittert…..
Wie cool wäre das eigentlich?
Die andere Einrichtung in der ich von Di bis FR arbeite möchte mich gerne die ganze Woche haben, ich bin gerne da. Das Team ist toll und die Arbeit macht mir großen Spaß. Eigentlich ist diese Einrichtung der Grund warum ich überhaupt noch bei meinem Arbeitgeber bin. Aber auch von dieser Seite ist kein Wechsel zu bewirken. Die Geschäftsführung verharrt auf ihrem schikanösen Plan. Und ich mache mich klein und bücke mich für ein paar Taler. Niemand hat einen wirklichen Vorteil von der Situation, weder pädagogisch noch wirtschaftlich. Lediglich meine Chefin wichst ihren kleinen Schwanz weil sie mich so schikanieren kann. Ich muss nachdenken, wo war ich?
Ach ja, selbst ich fauler Sack finde diese nutzlos verschwendete Zeit unerträglich. Die Stunden ziehen sich wie Kaugummi. Ich sehne mich danach diese Zeit sinnvoll zu füllen. Für mich ein klarer Beweis dafür, dass eben nicht alle nur noch faul rumliegen würden wenn wir versorgt wären. SO behaupten das nämlich oft die Gegner, ich weiß, total polemisch. Was stimmt ist sicher dass wir alle etwas gechillter wären, wie cool wäre das eigentlich? Boah!
Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde solchen Menschen die Machtbasis entziehen. Niemand müßte sich mehr für ein paar Euro zum Spielball solcher Personen machen. Und das ist nur mein persönlicher Approach zu dem Thema.


Bedingungsloses Grundeinkommen für Anfänger: https://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungsloses_Grundeinkommen

Mittwoch, Juni 15, 2016

Channel my hate to productive

Das letzte Jahr war keine Freude für mich. Ab dem Herbst ging es richtig bergab. Heute kann ich sagen dass diese Bauchlandung nicht nur schlecht war, aber ich habe Sachen erlebt die ich keinem wünsche.
Im Mai habe ich erfahren dass meine Schwester noch 6 Monate zu leben hat. Ich habe damals nicht realisiert wie sehr mich das getroffen hat. Habe ich es doch perfektioniert eine unbewegte Oberfläche zu zeigen. Der Stein fiel ins Wasser, zog aber keine Kreise. Ich wollte dem Arzt glauben dass meine Schwester ja noch jung ist und wir sicher mehr Zeit haben. Zu allem Überfluss habe ich mich dann auch noch mit meiner Schwester verstritten. Es gab keinen Abschied, keine Aussprache. Am 13. August 2015 rief mich meine große Nichte an, sie weinte und teilte mir mit das Mama tot ist. Ich hatte gerade Urlaub und in der Nacht davor bis spät mit Freunden rumgesessen und meinen Urlaub genossen. Ich sprang in ein Taxi und fuhr zur Wohnung meiner Schwester. Meine Nichten waren völlig aufgelöst und vor Ort war alles surreal. Die Polizei war da und ein Arzt. Außerdem jemand der sich als Onkel meiner Nichten vorstellte, den ich aber nicht kannte. Es stellte sich dann heraus dass es sich um den Mann der Tante der Nichten handelte. Erst war ich pissig, denn ich bin ja der Onkel und er nur angeheiratet. Aber der Typ war da und kümmerte sich. Er war sogar vor mir da.
In einer solchen Situation nimmt einen keiner bei der Hand. Die offiziellen Menschen dort, also Bullen und Arzt, informierten mich nur was zu tun sei, wie und wo ich mich hinwenden könne blieb aber offen und ich musste das selbst herausfinden. Praktisch wäre ja eine Broschüre aus der hervorgeht welche Schritte in solch einem Fall zu machen sind und in welcher Reihenfolge. So etwas sollten einem die Profis aushändigen. Ich hätte das gebraucht. Ich übernahm die Organisation und schickte meine Nichten und den Onkel erstmal zum Essen, weg von diesem Ort, damit die Mädels nicht Dinge sehen müssen die sich ins Hirn brennen. Als ich das tat wusste ich noch nicht wie richtig ich mit diesem Vorgehen lag. Ich beauftragte einen Bestatter, der ließ mich Stunden warten. Stunden in denen ich vor dem Haus meiner Schwester saß und mich nicht traute in die Wohnung zu gehen weil ich nicht wusste ob ich den Anblick ihres Leichnams ertragen könnte. Irgendwann, ich glaube etwa 5 Stunden später kamen die Bestatter. Sie waren verplant und strahlten keinerlei Gelassenheit oder irgendeine Form von Professionalität aus. Sie hatten keine richtige Trage dabei und mussten meine Schwester in einem Sarg legen, der dafür nicht vorgesehen war. Um das zu realisieren musste ich nun doch mit in die Wohnung und mich der Situation stellen. Meine Schwester war glücklicherweise mit einem Laken zugedeckt, nur ihre kleinen, nackten Füße guckten heraus. Das werde ich nie vergessen. Die Bestatter entfernten das Laken und so konnte ich ihr nochmal ins Gesicht sehen. Ein toter Mensch sieht nicht wie ein schlafender Mensch aus, er fehlt jede Energie, jede Spannung. Sie nahmen sie und legten sie, wie einen Gegenstand, in den Sarg. Ich fand das lieblos aber was sollte ich tun? Ich stand völlig neben mir.

Die fünf Stunden Wartezeit wollte ich sinnvoll füllen. Einfach nur funktionieren, das war wichtig. Ich nutze die Zeit um unsere Mutter aufzusuchen, die zum Glück nur wenige Busstationen entfernt wohnte. Nach 10 Jahren ohne Kontakt stand ich nun vor der Tür meiner Mutter um ihr mitzuteilen dass ihre Tochter verstorben ist. Meine Mutter reagierte wie ich das vermutet hatte, sie blieb ruhig und setzte sich. Eine einzelne Träne ran ihr über die Wange, sonst keine sichtbare emotionale Reaktion. Sie funktionierte auch einfach und wollte wissen wie weit das mit dem Bestatter und der Wohnung geregelt ist. Wir saßen lange schweigend bei einander nachdem ich ihr erklärt hatte was passiert war und was ich wusste. Sie hat sich bis heute nicht von diesem Schlag erholt.

Die Tage danach waren unwirklich. Ich stand neben mir, tat was getan werden musste. Ich kümmerte mich um alles. Der Vater meiner Nichten kümmerte sich um die Mädels. Ich kümmerte mich um die rechtlichen Belange. Wohnungskündigung und Auflösung. Meine große Nichte ließ sich nicht ausboten und half immer mit wenn ich in die Wohnung ging. Das Leben von jemandem wegzuräumen ist keine Vergnügen. Es war intensiv und eine Reise durch das Leben meiner Schwester, einer Person die ich nicht ansatzweise so gut kannte, wie man sich das vielleicht wünschen könnte.

Ich begleitete meine kleine Nichte zum Jugendamt und war überall da wo es brannte. Ich hatte ja Urlaub und mich im Anschluß daran krank schreiben lassen. Nicht weil ich das wünschte sondern weil meine Ärztin mir das anriet. Ich war gesundheitlich völlig runter. Mein Blutdruck ging durch die Decke und mein Langzeitzucker hing mit dem Blutdruck da oben herum und feierte. In den Jahren vor diesem Zusammenbruch habe ich mich nämlich einen Scheiß um meine Gesundheit gekümmert. Ich hatte aufgegeben und mich damit abgefunden dass ich irgendwann einfach umkippen würde. Jedes Mal wenn mit was weh tat schloss ich mit meinem Leben ab. In diesen 3 Jahren mit dem Kopf im Zuckersand, bin ich, ich weiß nicht wie oft, gestorben. Meine Ärztin half mir langsam wieder auf die Beine, zeigte Verständnis und sah von jedem Druck ab. Sie vermittelte mir einen guten Diabetologen und mittlerweile bin ich wieder im gesunden Bereich. Gut, ich habe immer noch 20 kg zu viel aber mein Zucker und mein Blutdruck sind wieder in Ordnung. Das ist übrigens das Gute was ich einleitend erwähnte.

Während dieser Phase meldete sich meine Arbeit, ich war immer noch krank geschrieben. Am Telefon wurde ich darüber informiert dass es eine Beschwerde über mich gegeben hatte, ich reagierte gelassen, wenn man einen Kinderladen leitet kann man es nicht allen recht machen und irgendjemand ist immer etwas unzufrieden. Leider teilte mein Arbeitgeber diese Gelassenheit nicht. In der Tat hatten sich, in meiner Abwesenheit und ohne ein Gespräch mit mir gesucht zu haben, fünf Familien über mich beschwert. Sie hatten einen Brief an den Träger gerichtet in dem sie mir vorwarfen unfreundlich, angespannt und laut zu sein. Die Beispiele die sie dafür nannten waren allerdings alle dermaßen aus dem Kontext gerissen und verzerrt, außerdem waren es Familien die schon seit Jahren nur Probleme machten weil sie, zum Beispiel darauf verzichteten professionellen Rat anzunehmen und erwarteten dass wir für all ihre verrückten Ideen Verständnis haben. Ich hatte lange Verständnis dafür und ich kam diesen Menschen immer entgegen, so es möglich war ohne meine professionelle Position in Gefahr zu bringen. Ich nahm die Kritik an dass ich durch war, verwehrte mich aber gegen die meisten, aus dem Kontext gerissenen Beispiele der Eltern. Mir vorzuwerfen dass ich laut bin wenn ich in einem Raum mit 20 Kindern Sportspiele mache, ist etwas weltfremd.
Mein Arbeitgeber schenkte den Eltern Glauben. Und obwohl es keine Kritik an meiner pädagogischen Arbeit gab, meine geplanten Elterngespräche sogar als äußerst konstruktiv gelobt wurden, wurde ich beurlaubt. Mein Arbeitgeber setzte mich dermaßen unter Druck dass mir im Gespräch mit meiner Chefin die Tränen gekommen sind. Ich verlor meine Leitungsstelle und meine Stelle als Facherzieher. Ich wurde um 5 Stunden in meiner Arbeit reduziert und versetzt. Wer weiß was noch alles passiert wäre wenn ich nicht in der Gewerkschaft wäre und meine Anwältin nicht so cool gearbeitet hätte.
Noch mal ganz klar, weil Eltern sich über meine Art der Elternarbeit beschwerten bin ich beurlaubt worden und habe fast meinen Job verloren. Das wird später nochmal wichtig.

Ich war persönlich getroffen darüber das meine Kolleginnen nichts taten um mich zu schützen. Ich wurde einfach fallen gelassen. Heute weiß ich dass meine beiden Kolleginnen schockstarr waren. Eine Berufsanfängerin und eine Azubi kann so etwas schon überfordern. Selbst altgediente Hasen wie mich macht sowas fertig. Meiner Leitungskollegin allerdings, 10 Jahre älter als ich, wir haben 5 Jahre eng zusammen gearbeitet. Ich weiß nicht wie oft ich sie gedeckt habe, sie vertreten habe, ihre Fehler mit ausgebügelt habe und einfach nur geholfen habe wo ich konnte. Diese Person ließ mich fallen. Ja, sie sprach sich sogar dafür aus dass ich den Laden zu verlassen habe. Sie hat mich verraten. Ich hoffe ich finde irgendwann die Kraft ihr zu verzeihen, momentan will mir das noch nicht gelingen.

Mein Arbeitgeber, in Person der Geschäftsführung, will mich los werden. Leicht ist das allerdings nicht, denn ich habe einen unbefristeten Vertrag und bin streitbar. Ich kann mich gut daran erinnern dass ich vor dieser Person gewarnt wurde, bevor ich bei diesem Träger anheuerte. Schon beim Einstellungsgespräch vergriff sich diese Person im Ton, dass ich eigentlich hätte gehen sollen. Aber wen interessiert schon die Geschäftsführung wenn man pädagogisch arbeiten möchte? Heute weiß ich dass diese Person das Schlimmste ist was dem Träger passieren konnte und das ihre absolute Art zu herrschen den Träger kaputt macht. Aber noch bin ich da. Auch wenn sie mich völlig schikanös einsetzen. So arbeite ich einen Tag in der Woche für 4 Stunden in einer Einrichtung. Selbst nach einem halben Jahr habe ich kaum Kontakt zu dem Team oder zu den Kindern. Die Leitung der Einrichtung teilte mir mit das sie selbst diese Regelung für völlig sinnfrei hält, aber keine Handlungsmöglichkeit hat. Das muss man sich mal vorstellen!
Die restlichen vier Tage in der Woche arbeite ich in einem Hort in Wilmersdorf und fühle mich dort im Team sehr wohl. Tolle Kolleg*innen und Kinder.

Meine Mutter, sie hat sich nicht erholt von der Nachricht von Tode meiner Schwester. In den Monaten seitdem hat sie stark abgebaut. Nach einigen Monaten im Krankenhaus ist es mir gelungen sie in einem Pflegeheim unterzubringen. Ich bin jetzt der gerichtlich bestellte Betreuer meiner Mutter. Ich sehe sie zweimal die Woche und habe keine Ahnung wie lange sie mich noch erkennt. Ich wollte nicht ihr Betreuer werden, ich weiß wie schwer mir eine solche Arbeit fällt. Immerhin bin ich Facherzieher für Integration und lasse mich eigentlich für solche Dienste bezahlen. Die lange Jahre ohne Kontakt haben meine Bereitschaft zu dieser Aufgabe nicht gestärkt. Und doch, ich konnte es nicht übers Herz bringen, ich habe die Betreuung übernommen. Es erschien mir falsch sie im Stich zu lassen, es wäre die Fortsetzung unserer Lebensgeschichte gewesen. Dass wir immer allein sind wenn wir die Familie am dringendsten brauchen. Meine Schwester starb einsam. Ich hatte mit vielen lieben Menschen lange über die Situation geredet und alle attestierten mir dass es völlig ok sei wenn ich das ablehnen würde. Allein wegen unserer gemeinsamen Vita. Für mich war der Schluß ein anderer, eben diese katastrophale Vita fordert das ich da bin. Das ich den Fluch breche. Auch wenn es nicht leicht ist. Auch wenn ich oft nicht will.

Der Tod ist jetzt nicht mehr unansprechbar. Ich habe ihn als Teil des Lebens akzeptiert, als Teil meines Lebens. Er ist nicht mehr etwas das nur anderen Leuten passiert. Das fühlt sich besser an. Sterben möchte ich natürlich trotzdem nicht, aber was soll man machen?

Und zwischendurch sind noch soviel andere Dinge geschehen. Im Dezember ist Cäthe gestorben. Ein Kind das ich in den Kinderladen aufgenommen hatte. Ein bezauberndes, schwerst mehrfach behindertes Kind auf das ich mich wirklich gefreut habe.
Ich habe liebe Menschen kennengelernt. Ich habe wieder Theater gespielt, unglaublich wie viel Kraft mir das gegeben hat. Meine Arbeit macht mir wieder Spaß. Ich habe 20kg angenommen. Meine Mitbewohnerin hat sich als die beste Freundin herausgestellt die man in solchen Zeiten haben kann. Meine Freundeskreis war voller Anteilnahme.

Ich danke euch allen, die in dieser Zeit zu mir gehalten haben, ohne euch hätte ich nicht den Kopf über Wasser behalten. Freunde sind die Familie die man sich selbst aussucht.

Und jetzt? Ach ja, in meinem alten Kinderladen schlägt die neue Integrationserzieherin einem Kind, zu zwei unabhängigen Anlässen ins Gesicht und darf dort weiter arbeiten. Sie wird nicht mal beurlaubt. Unglaublich was es zu erleben gibt. Guckt euch gut an wo ihr eure Kinder unterbringt.


Ich liebe euch alle :)