Donnerstag, Oktober 02, 2014

No isms, no schisms.

Nichts was menschlich ist, ist mir fremd. Ich versuche jedem und jeder offen zu begegnen. Ich bin nicht der Meinung dass ein Mensch besser sei als der andere. Ich denke auch nicht das einer mehr Rechte als der andere haben sollte, geschweige denn sollte ein Mensch über den anderen herrschen.
Das ist für mich eine Frage des Respekts, der auf einer ganz einfachen Frage beruht."Wie möchte ich behandelt werden?" Es mag vielleicht nicht für jeden oder jede einfach sein sich diese Frage unvermittelt zu beantworten, aber bei den meisten Menschen höre ich sowas wie: "Ich möchte dass die Menschen nett zu mir sind." Soweit, so gut. In einer ganz einfachen Sprache ist hier eine grundlegende Wahrheit kommuniziert worden. Für fast jeden oder jede verständlich und nachvollziehbar.

Bei einschlägigen Diskussionen im sozialen Netzwerk hat sich eine Elite von MeinungsbildnerInnen herausgebildet, die ihren Wissenschatz und ihre Einsichten nur mit denen teilen die kaum widersprechen. Und wenn sie das tun, dann benutzen sie eine Sprache, die den Zugang für jeden interessierten Menschen erschwert. Denn nicht nur die elaborierte Sprache sondern auch eine Liste von Dos and don'ts wollen beachtet werden. Diese Liste wird nun aber nicht für alle zugänglich gemacht oder gar zur Diskussion gestellt, sie wird einfach als gegeben und massgeblich vorausgesetzt. 

Als ich anfing mich mit Sexismus und Feminimus zu beschäftigen, war ich erschüttert wie viele Frauen in meinem Umfeld bereits resigniert hatten. Sie hatten es satt ignoranten Menschen, ein ums andere Mal wieder, zu erklären worum es ihnen geht. Ich bat diese Frauen nicht aufzugeben und weiterhin offen solidarisch mit denen zu sein, die noch Kraft hatten sich mit der Materie auseinderzusetzen. Ich erinnere mich aber auch gut an die ersten Monate in denen mich das Thema zu interessieren begann, ich war kleinlaut in Diskussionen, ich hörte lieber zu, ich hatte Angst etwas dummes zu sagen und damit unbeabsichtigt zu provozieren. Denn eines war mir sofort klar, als meine Augen offen waren, die ungleiche Behandlung von Männern und Frauen, auf jeder gesellschaftlichen Ebene, stank zum Himmel. Auf ganz grundlegender, emotionaler Basis war mir klar, dass scheisse war, was passierte. Eifrig sprach ich mit anderen Menschen, mit Frauen und Männern, in der Hoffnung diese grundlegende, emotionale Erkenntnis bei ihnen ebenfalls auslösen zu können. Pustekuchen. Ich rannte gegen eine Wand von Desinteressierten, Ignoranten, Bequemen, Besserwissern, Heuchlern und Ja, aber-Sagern. Schnell war die Puste raus, schneller als die Frauen, die ich gebeten hatte weiterzumachen, reihte ich mich bei ihnen ein.
Was mir seit dem Sorge bereitet ist die Art wie die Diskussionen geführt werden. Das ist kein offenes Gespräch mehr, wo jede oder jeder eingeladen ist teilzunehmen. Es ist ein verschworener Haufen von EigenbrödlerInnen die neidisch und ganz genau beobachten wer welche Position vertritt. Dabei wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, so daß ich verstehen kann wenn jemand es da lieber runterschluckt. Problem dabei ist, dass sich aus dieser Situation heraus keine offene und große Diskussion ergeben kann. So reden immer nur die Fachmenschen beider Seiten gegen- und miteinander. So bleibt es immer ein Theorem, das es schwer hat sich in der Praxis zu beweisen.

Wir wollen eine breite Basis erreichen, wir wollen dass uns Menschen zuhören. Das können wir nur erreichen durch Offenheit und Begegnung und eine Sprache und Haltung die einlädt mit zu diskutieren. Leider findet das momentan in meinem Bekanntenkreis nicht statt.
Ich halte es für wichtig diese schweren Themen so aufzubereiten das jede/r sie verstehen kann. So als würden wir sie Kindern erklären. Kurz: Ich bin nett zu dir weil ich möchte das du nett zu mir bist, denn dann sind wir Freunde und Freunde können alles erreichen.