Sonntag, Mai 25, 2014

Erwartungen an mich selbst - Was ich und andere scheinbar von mir wollen


Erwartungen. Unausgesprochen. Antizipiert. Enttäuscht. Überwältigend. Unerfüllt. Anmaßend. Einschränkend. Erfüllt. Erdrückend. Vermutet. Genannt. Bekannt.

Ich weiß nicht was die Leute von mir erwarten.

Im beruflichen Umfeld ist das zu einem gewissen Grad klar definiert. Von mir werden die Tugenden jedes guten Angestellten erwartet. Ich soll pünktlich sein, zuverlässig und bitte im vollen Umfang meiner jahrelang errungenen Kompetenz, immer das bestmögliche Ziel anstreben. Ich soll kreativ sein, verständnisvoll, ein Vorbild für Kinder, Eltern und Kollegen und Anleiter für mein Team. Meine Ansprüche auf eine ordentliche Vergütung soll ich dabei bitte hinten anstellen oder wenigstens einsehen das es gesellschaftlich halt gerade nicht anders möglich ist. Ein bisschen Freude darüber das ich überhaupt einen Job habe, wäre auch nicht schlecht.
Der Umgang mit diesen Erwartungen fällt mir leicht, auch wenn ich sie nicht alle schön finde. Sie sind meist klar definiert und geben recht wenig Anlass zum Grübeln, ob sie nun wirklich Bestand haben.

Anders gestaltet sich das im privaten Umfeld. Stets bin ich am Vermuten was die oder der von mir erwarten könnte. Ich versuche alle möglichen Erwartungen zu antizipieren und die positiven möglichst sofort zu erfüllen. Und das nicht nur in erster Ebene sondern auch wenigsten auf der zweiten Ebene. Das ist Stress. Das macht mich atemlos. Das lässt mich reden wie ein Wasserfall. Mein Gehirn läuft dann in einem Hamsterrad welches sich in lächerlicher Geschwindigkeit dreht und ich drohe mich zu überschlagen. Deswegen habe ich oft keine Lust andere Menschen zu treffen, ich habe einfach nur ein gewisses Maß an Kraft für sowas übrig. Besonders anstrengend wird es wenn es viele Menschen auf einmal sind. Ob nun im Kino oder bei der Ankunft beim Fantasylarp oder beim Betriebsausflug, ich fange an zu reden. Viel, schnell, albern, Bullshit, ich drehe durch. Das ist anstrengend.

Ich spiele gerne. Ich mag Rollenspiele. Damit meine ich nicht die, die im SwingerClub 42 'gespielt' werden, sondern eher das gemeinsame Geschichtenerzählen verbunden mit vielen bunten Würfeln. Auch hier bin ich den Erwartungen anderer Menschen ausgesetzt und werde damit nicht warm. Der eine Spieler erwartet das, die andere Spielerin erwartet dies. Unausgesprochen, aber eventuell furchtbar enttäuscht wenn ich diese Erwartungen nicht erfülle.
Ich habe natürlich auch noch meine Erwartungen am Laufen. Ich vermute das ich keine SpielerInnen finden würde, wenn ich nicht ein gewisses Feld bespielen würde und suche so einen Kompromiss. Ein Kompromiss der mich seit Jahren, nach wenigen Sessions unbefriedigt zurücklässt und ich begreife langsam das ich diesen Kompromiss nicht mehr möchte, das er faul ist. Ich möchte meine Geschichten erzählen und Leute mitnehmen die gerne mitmachen wollen. Ich möchte nicht mehr die Geschichten erzählen von denen ich vermute dass die anderen sie hören wollen, nur um eine Gruppe von Menschen zum Rollenspiel zusammenzuhalten.
Meine Geschichten sind kreative Arbeit. Diese Arbeit kann keinen anderen Erwartungen als den meinen unterworfen sein. Sie sind weder terminlich einzufordern noch befinde ich mich in einer Bringschuld irgendjemand gegenüber. Ich tue das in erster Linie für mich und wenn ich mit dem Erschaffenen zufrieden bin, dann teile ich es gerne mit anderen Menschen. Denn nur so kann sich die Papierblüte zu ihrer vollen Pracht entfalten und das tun was sie soll, Menschen für ein paar Stunden entführen und verzaubern.

Ich will versuchen mich nicht mehr von unausgesprochenen und unklaren Erwartungen wahnsinnig machen zu lassen. Wer etwas von mir möchte, artikuliere das bitte und ich kann dann klar Stellung zu der Situation beziehen.

Samstag, Mai 10, 2014

Farben sind wie Töne, nur stabiler.


 Mit dieser weissen , vierteiligen, spanischen Wand fing es an. Auf der Seite die meinem Bett zugewandt steht gähnt mich hässliche Weisse an. Ich entschied das zu verändern und zwar so:
Am Anfang war ich mit den Grundfarben in Acryl und einem Set alter Schulpinsel tätig und probierte mich ersteinmal am Material aus. Schnell wurde klar das ich anständige Pinsel brauche. Ist es für meine ungeübte Hand schon schwer genug exakt zu malen. Wenn dann auch noch einzelne Borsten in jede Richtung abstehen macht es das nicht leichter. Mein erster Anlauf ergab dann das:
In den oberen zwei Dritteln noch mit Schulpinseln und im unteren Drittel mit vernünftigem Handwerkszeug, Ich glaubte die grundlegenden Eigenschaften des Materials verstanden zu haben und versuchte nun etwas wiedererkennbares. Das hier:
Ich war damit nicht unzufrieden. Glücklich allerdings auch nicht. Ich begriff nun das es sinnvoll ist sein Bild vorher zu planen. Von hinten nach vorne. Es ist soviel einfacher auf einen vorgemalten Hintergund zu malen als ihn im Nachhinein einzufügen.
Und dann ging es los. Ich wollte nicht mehr nur einzeln Teile bemalen, ich wollte nun ein ganzes Panel bearbeiten und heraus kam dabei das:


Da es sich dabei um das äusserste Panel handelt, an dem ich jeden Morgen vorbei muss um ins Kinderkombinat zu kommen, erschien mir ein Portal angemessen. Hatte ich bisher verhaltene Freude, so war mir bei dem Portal das herz aufgegangen, Großflächig malen, mit einem grossen Pinsel grundieren und sich in den Vordergrund arbeiten. Was für ein Rausch. Beim Malen selbst bin ich völlig leer im Kopf und nur mit der gerade geschehenden Tat befasst. Alles andere fällt von mir ab. Ist so meditieren? Es fühlt sich toll an.
Nun blieb ein weisses Panel und da wollte ich nun meine Grenzen austesten. In einem Comic hatte ich ein Bild gesehen das mich anmachte und ich beschloss es abzumalen. Interessant war für mich auch die Art und Weise wie ich nun durch Comics blätterte, ich hielt länger inne um mir anzusehen wie die Zeichner ihr Bild zusammengestellt hatten. Total spannend. Und dann ging es los. Ich machte eine Kopie von dem Bild und legte mir ein grobes Raster an den Rand und begann es auf das Panel zu übertragen.










Das war wundervoll aufwändig und zog sich über viele Stunden. Das Ergebnis sieht nun so aus:
Danach nahm ich mich nun dieser dicken Blume vom Anfang an, das konnte nicht so bleiben. Die hatte ja gar keinen Unterbau, die hang in der Luft. Also bekam sie was ihr fehlte:
Nun ist das gute Stück bald voll und ich bin so glücklich. Ich habe eigenhändig ein Stück Möbel in etwas verwandelt was mir noch viel besser gefällt und das mir bei jedem Betrachten ein Lächeln auf's Gesicht zaubert.
Eins noch: Traut euch kreativ zu sein, das ist gut für die Seele!