Montag, September 10, 2012

Zwei Kater

Ich wohne mit zwei Katzen und einer Eva zusammen. Das ist nicht immer leicht, für alle Beteiligten, wie man sich denken kann. Meine Katzen sind recht unterschiedliche Charaktere, während sie ein verbrecherisches Genie ihr eigen nennt, ist er eher mit Homer Simpson zu vergleichen. Während er sich erst vor kurzem einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen eroberte, als er sich frühmorgendlich auf meinen nackten, noch schlafenden, Fuss erbrach, hat er es nun geschafft mich den ganzen Sonntag in Atem zu halten. Wie? Durch Abwesenheit! Ich war gegen acht am Morgen zu Hause, besoffen, verschwitzt, ausgebrannt - kurz glücklich. Ich fiel ins Bett und schlief den unruhigen Schlaf der mir nach solchen Nächten zur Gewohnheit geworden ist. Gegen Mittag, so um zwölf, hatte ich so einen Brand das ich aufstand um etwas zu trinken. In der Küche traf ich Eva und die weckte mich mit der simplen Frage:" Sag mal wo ist eigentlich Mio?" Der Kater tauchte auch nicht auf als ich Futter hinstellte. Das war also ein ernst zunehmender Alarm. Der Kater war nicht zu finden. Keines der üblichen Lockmittel (Knabberlis, Gummiente, Drohungen, Verwünschungen und jegliche sonstigen Lockgeräusche) lockte ihn herbei. Ach ja, was ich nicht vergessen sollte zu erwähnen, ist die Tatsache das die Wohnungstür offen stand als Eva heute das erste Mal durch den Flur ging. Mein verbrecherisches Katzengenie (Muffin aka Kitler) ist nämlich smart genug Türen zu öffnen und zu wissen durch welche Tür Katzen gehen sollten und welche man nur öffnet weil man es kann. Mio (Homer J. Simpson) weiss leider, weder von dem Einen, noch von dem Anderen und nutze die Situation für eine überstürzte, ungeplante Flucht aus seiner Gefangenschaft. Ich begab mich also verkatert auf die Suche nach meinem blöden Kater. Hausflur und Hinterhof stellte ich auf den Kopf, guckte in jeden Kinderwagen im Hausflur (6!) und stiefelte barfuss, ja ich war auch planlos, durch das Gebüsch im Hinterhof. Der Kater blieb verschwunden. Ich beschloss daraufhin mich erstmal noch einmal hinzulegen und mich um meinen anderen blöden Kater zu kümmern. Der eine Kater würde ja durch meinen Schlaf nicht weniger weg sein und wenn doch, dann wäre das ja recht erfreulich. Der andere schon. Vier Stunden später begab ich mich, etwas wacher, ein zweites Mal auf die Suche nach Mio und hängte im Hausflur einen Zettel auf dass mein blöder Kater weggerannt ist und ob jemand sachdienliche Hinweise geben könnte. Dabei traf ich einen Nachbarsjungen aus dem Haus. Und hier geht die spannende Geschichte eigentlich erst richtig los. Ich fragte ihn ob er was wüsste und er erzählte mir eine andere Katzengeschichte. Ich bedankte mich und er ging nach Hause und ich auch. Etwas später klingelte es bei mir an der Wohnungstür und siehe da, da steht der Nachbarsjunge! Er hatte zu Hause erzählt was passiert ist und sein Papa hatte tatsächlich früh morgens beobachtet wie eine Frau versucht hatte eine Katze aus einem Windschutz vor den Kellerfenstern zu bergen und gescheitert ist. Der Junge zeigte mir den Ort und ja, Mio saß da unten. Unerreichbar. Es sei denn man öffnete vom Keller aus das Fenster. Und wie so oft, wurde es erstmal schlimmer bevor es besser wurde. Nachdem ich die Keller angeguckt hatte stellte ich fest, daß ich nicht an das besagte Fenster rankomme. Ich beschloss also die Notfallnummer der GEWOBAG anzurufen und darum zu bitten das sie mir einen Hauswart vorbeischicken der mich mal eben da rein lässt damit ich den blöden Kater bergen kann. Aussage der GEWOBAG:" Das ist Eigenverschulden, da können wir niemanden schicken. Sie müssen einen Schlüsseldient kommen lassen!" Ja, genau, ich dachte auch es hakt. Eine andere Empfehlung war die Feuerwehr anzurufen. Ich erklärte mich noch einmal ganz niedrigschwellig aber die GEWOKACK Mitarbeiterin war nicht zu erweichen. Also rief ich bei der Feuerwehr an, die Feuerwehrmenschen sahen die Thematik so wie ich, erklärten sich aber bereit einen Wagen vorbei zu schicken. Vorort sollte ich unbedingt klären wie hoch die Kosten sein werden. Bevor allerdings die Feuerwehrmänner erschienen, erschienen drei Bullen. Ich erklärte den Sachverhalt und die Bullen waren der selben Meinung wie ich. Seltsames Gefühl. Eine Viertelstunde später erschienen die Herren von der technischen Hilfeleistung der Feuerwehr und auch hier herrschte sofort Einigkeit darüber das es total hirnrissig wäre eine technische, destruktive Lösung herbeizuführen, wenn die GEWOKACK doch einfach nur einen Hauswart schicken müsste. Ich erklärte den Beamten das die Leute der GEWOKACK nicht kooperieren wollen. Worauf einer der Feuerwehrmänner anbot mal persönlich mit denen zu reden. Ich zückte mein Handy, wählte die Nummer und eine, vllt zwei, Minuten später hatte der Feuerwehrmann der GEWOKACKmitarbeiterin verklickert das es sich um eine Unverhältnismäßigkeit und bauliche Mängel auf Seiten der GEWOKACK handeln würde und das es unterlassene Hilfeleistung wäre, wenn sie nicht sofort jemanden in Bewegung setzen würde. Und auf einmal kam Dynamik auf. Die Servicefrau wurde freundlich und bemüht und setzte spontan den Mann der Heizungsfirma in Gang, in der Hoffnung das der den richtigen Schlüssel haben würde. Hatte er aber nicht, wie wir 40 Minuten später feststellten. Zwischenzeitlich war Eva mit einem rettenden Coffee to go zu mir gestoßen und wir genoßen ein paar Stunden Sonntag auf den Stufen vor unserem Haus. 'S schon ein schönes Kiez. Dann gingen die beiden netten Menschen vom Reisebüro vorbei, wir wechselten ein paar Worte und ich erfuhr das sie auch Sonntag arbeiten weil man da endlich mal ungestört Dinge erledigen kann! Das sollte noch wichtig werden, eine Stunde später... Nachdem der nette Monteur nicht weiterhelfen konnte war ich etwas frustriert und ratlos. Ein anderer Nachbar kam aus dem Haus und wir erklärten ihm was los sei. Der nahm kurzer Hand sein Handy und rief denjenigen an dem der Keller gehört. Der sagte zu, dass er in einer halben Stunde da sein würde. Zur gleichen Zeit etwa rief die GEWOKACK an und teilte mit das sie ebenfalls jene Person angerufen hätten. Immerhin, es passierte was. Eva fuhr irgendwann wieder weg. Mio und ich blieben. Irgendwann kehrten die netten Menschen vom Reisebüro zurück und wunderten sich wieso ich da immernoch oder wieder sitze. Ich erklärte ihnen Mios und meine Situation und das ich nicht in den Keller kommen würde aber das der Besitzer auf dem Weg sei. Ali, der Besitzer erschien dann zeitnah nur um, nach genauer Betrachtung mitzuteilen dass es sich nicht um seinen Keller handeln würde. Mein Gesicht muss grossartig ausgesehen haben. Als ich bemerkte das an der Kellertür etwas von einem Ingenieurbüro stehen würde sagte der eine vom Reisebüro:" Ach so! Das ist der Keller von Heiko und der sitz da", er zeigte nach rechts zum Thailänder, "im Restaurant!" Kaum hatte er das bemerkt ging er zu Heiko und erklärte den Fall. Heiko bestellte und rannte (kein Scherz) nach Hause und holte den Schlüssel für den Keller. Zehn Minuten später hatte ich den blöden Kater wieder auf dem Arm. Wäre ich nicht vor dem Haus geblieben und hätte das alles aus der Wohnung
gesteuert, hätte das nie geklappt. Ich bin einfach, aus einem Gefühl heraus, vor dem Haus geblieben. Mein Kiez ist toll und meine Nachbarn sind echt nette Menschen. Nur die GEWOKACK kann mich mal am Arsch lecken.