Sonntag, November 21, 2010

Dawn of the dick: No more Mr. Niceguy!

Ich sitze in meinem Zimmer. Draussen vor den Fenstern ist es dunkeln, golden leuchten die Fenster der Nachbarn auf der anderen Strassenseite. Aus der Küche höre ich Evas Laptop, ihr Indiana Jones Marathon nähert sich langsam dem Ende. Eigentlich eine ganz schöne Stimmung. Na gut, mein Nacken tut mir weh, den habe ich mir wohl heute Nacht verlegen. Es gibt also nichts augenscheinliches was darauf hindeuten könnte das etwas nicht so schön ist.
HAL.dll ist eine Datei die mich gestern in Aufruhr versetzte, denn auf einmal ging mein Desktop nicht mehr. Ich installierte kurzerhand eine neue Windowsversion auf einer anderen Partition und dachte mir ich bin smart und ersetze die fehlende Datei einfach. Arsch lecken. Jedes Windows hat seine eigene HAL.dll, man kann nicht beliebig austauschen. Somit war die Idee erstmal gestorben.
An die Originalcompactdisk kam ich auch nicht, denn die hat wer anders. Soviel zu gestern.
Heute habe ich das System neu aufgesetzt, denn die Hilfe um die ich bat wurde durch simples Blödstellen hinfällig. Ich bin momentan eigentlich ganz gut drauf, was an sich schon erschreckend ist, für einige meiner Zeitgenossen. Ich bin nämlich recht emotional und möchte dauernd alle möglichen Leute umarmen und an meine haarige Brust drücken. Die Glücksbärchistrahlen sind kaum zu kontrollieren. Ganz unmerklich bin ich ein netter Mensch geworden. Ursache dafür dürften diese furchtbaren kleinen Wesen sein mit denen ich mich auf Arbeit rumschlagen muss *seufz* Kinder bis 5 sind emotionale Sprengkommandos, sie laufen durch deine Verteidigung durch, ganz rein, bis in die Mitte und explodieren dann. Das fühlt sich wohlig warm an und man kann nichts dagegen machen.
Was wollte ich eigentlich erzählen?
Ach ja, liebe Leute, wenn euch jemand um Hilfe bittet, dann helft. Ist gut für den Karmakreditplan. Auch wenn der innere Schweinehund sich meldet und dir sagt das aufstehen scheisse ist, helft trotzdem. Danach fühlt man sich nämlich supi. Stellt keine Fragen, helft! Nett sein ist nämlich wieder in.
Und obwohl ich Lust hätte meine Drohung aus der Überschrift wahr zu machen, nehme ich davon Abstand. Die Scheissigkeit anderer Leute rechtfertigt nicht meine eigene! Da ist es ganz egal ob es um eine CD oder einen Läusecheck geht. Ihr kriegt mich nicht unter, ich bleibe nice.

Sonntag, September 12, 2010

Die Zeit die es nicht gab

Ist schon seltsam. Vor gar nicht all zu langer Zeit war Sie mein Leben und wenn ich jetzt an Sie denke dann zieht sich bei mir alles zusammen. Wenn das Handy klingelt denke ich:“Bitte nicht Sie“ Ich möchte nicht mit Ihr reden, ich möchte nicht hören wie es Ihr geht und was bei Ihr gerade so passiert. Ich will meine Ruhe. Und trotzdem tut es mir ungeheuer weh wenn ich darüber nachdenke welches Leid ich über Sie gebracht habe. Wie ich Ihre Welt etwas dunkler gemacht habe, Ihr die Leichtigkeit nahm. Und auch wenn ich weiß das alles wieder gut werden wird, dass Sie es schaffen wird sich von mir zu befreien, was mache ich aus dieser Zeit?
Eine Zeit die mir ewig lange her vorkommt. Eine Zeit an die ich mich nur dunkel erinnern kann. Keine konkreten Erinnerungen, vielmehr Gefühle. Was lehrt mich diese Erfahrung,was kann ich mitnehmen? Ich weiss es nicht. Ich stehe da und frage mich wie es sein kann, dass ich so unzuverlässig bin. Mir selbst gegenüber und Ihr. Wird das jetzt immer so sein? Werde ich mir selbst nicht mehr trauen können? Wahrscheinlich.
Ich will Ihr nichts böses, ich wünsche Ihr tatsächlich alles erdenklich Gute für ihr Leben. Glück und Liebe und den ganzen Krempel der dazu gehört.
Immerhin, ich kann sagen, dass ich zu Ihr gehalten habe bis ich zusammengebrochen bin.

I loved you til my heart went bleak,
I held you til my knees got weak .

Donnerstag, August 19, 2010

Back im Dreck

Zwei Tage lebte ich in Kreuzberg, da haben sie mir mein Rad geklaut. Jahrelang hatte ich das gute Stück immer mit in die Wohnung genommen und war so den gemeinen Dieb aus dem Weg gegangen. Nun ist es weg. Ich will den monetären Wert des Rades gar nicht geringschätzen, aber bei all den Dingen die ich mit dem Rad erlebt habe, ist der monetäre Wert der geringste. Lebe dann wohl Fahrrad, möge sich jemand anders seinen Arsch auf deinem beinharten Sattel verbeulen.

Letzten Freitag bin ich also nach Kreuzberg gezogen. Am Tag des Umzugs regnete es, passend zu meiner Stimmung, in Strömen. Es dauerte nicht lange da waren alle Beteiligten klitschnass. Es ist keine Freude von einer großen Wohnung in ein Zimmer einer WG umzuziehen. Und nun hocke ich hier in Kreuzberg, noch nicht ganz da. Noch erscheint alles unwirklich. Anfang der 2000er lebte ich ein paar Jahre in Neukölln nahe der Boddinstrasse. Heute frage ich mich wie ich es da ausgehalten habe. Die Armut und Hoffnungslosigkeit der Leute auf den Straßen ist nicht zu übersehen, es fällt mir schwer das Bergmannkiez als hippes-alternatives Berlin zusehen. Denn überall bricht die Verzweiflung hervor.
Gestern Morgen habe ich auf dem Bahnhof Gneisenaustrasse, gemeinsam mit einem anderen Fahrgast, einen geistig umnachteten Zeitgenossen vom Gleis wieder auf den Bahnsteig geholfen. Was der Mensch dort unten wollte hat er uns nicht gesagt und interessiert hat es uns auch nicht wirklich, denn als wir sahen dass die U-Bahn in einer Minute kommt, musste gehandelt werden. Ich will nicht zu spät zur Arbeit kommen nur weil der sein Leben satt hat. Auf dem Hermannplatz steht eine große Gruppe Männer und brüllen sich gegenseitig ins Gesicht. Der eine links von mir schreit:“Jibt glei‘ eene uff die zwölf und dann is Fasching!!“ Ich gehe an den Sicherheitsspinnern vorbei, will weg sein wenn Fasching ist, bin nämlich nicht verkleidet. Dem Tageslicht wieder angesichtig drängel ich mich auf dem Hermannplatz an der Horde Arbeitsloser am Eingang vorbei und überquere vor McDonalds die Straße. Ich stolpere und falle fast vor einen heranfahrenden, tiefer gelegten Golf. Nur meine katzenartigen Reflexe verhindern die Katastrophe.
Nach den Jahren in Steglitz und Charlottenburg bin ich wohl zu verwöhnt um mich in Kreuzberg gleich wohlfühlen zu können. Dort war alles Rolltreppe, hier ist alles versiffte Granitstufen des U-Bahnhofs.
Berlin, ich hasse dich von ganzen Herzen.