Donnerstag, August 30, 2007

Moral in Computerspielen

Ich spiele gerade Bioshock, ein wunderbares, stimmiges Spiel aus dem Hause 2k Games. Der Protagonist des Spiels gelangt nach einem Flugzeugabsturz über dem Meer in eine unheimliche andere Welt. Er kommt in die Stadt Rapture, diese ist auf dem Meeresboden gebaut und mit allem Schnörkel versehen den die 50er Jahre zu bieten hatten. Die Musik ist zeitgenössisch und tut eine Menge um den Spieler sofort in der Stimmung des Spiels gefangen zu nehmen. Diese schwankt zwischen Horror und milder Klaustrophobie. Durch meist dunkle Passagen kämpft man sich durch die herruntergekommene Stadt, irgendetwas ist passiert, etwas ging mächtig schief. Man findet Leichen, man wird angegriffen von völlig durchgeknallten maskierten Freaks. Und doch muss man immerwieder innehalten um die atemberaubende Schönheit dieses morbiden Ortes zu inhallieren. Ich trete durch ein schwere Stahlschott und es dringt Musik an mein Ohr (Bei mir bist du schön), im nächsten Moment höre ich die verrückten Schreie der Splicer, so werden diese letzten Überlebenden genannt, sie stürmen auf mich ein, schlagen mit Zangen, Messer und Rohren nach mir. Andere stehen in der zweiten Reihe und schiessen auf mich. Alles geht völlig durcheinander und die ganze Zeit höre ich 'Bei mir bist du schön'.

Ein wunderbares Spiel das es geschafft hat nicht vom Hype um die eigene Sache gefressen zu werden. Andere Spiele wie zum Beispiel Stalker haben das in meinen Augen nicht geschafft. Ganz grosses Tennis dieses Spiel. Eine Situation die es mir besonders angetan hat ist die um die 'little sisters'. Das sind Mädchen die genmanipuliert wurden um eine gewisse spielrelevante Substanz zu sammeln und zu erzeugen. Diese Mädchen im Alter von, ich schätze mal, 6-8 Jahren werden von ihren 'Big Daddies' begleitet. Riesige, schwergepanzerte Zeitgenossen deren ganzer Lebensinhalt es ist ihre 'little sister' zu schützen. Denn diese Substanz (Adam) ist für alle Einwohner Raptures von Interesse, auch für mich. Denn mit Hilfe von Adam ist man in der Lage sich selbst genetisch zu verändern und Fähigkeiten zu erlangen die weit jenseits dessen liegen was man von ordinären menschlichen Körper gewohnt ist. Man kann Blitze aus den Finger schleudern oder sich selbst entzünden und seine Gegner einäschern. Schon früh im Spiel vermittelt ein Nsc mir wie wichtig es ist an Adam zu kommen, denn ohne Adam würde ich in Rapture nur sehr, sehr schwer vorankommen. [SPOILER]Als ich dann auf die erste little sister treffe deren Big Daddy von Splicern umgelegt wurde, werde ich vor eine Entscheidung gestellt. Ich habe zwei Möglichkeiten. Entweder ich 'ernte' das Adam von der kleinen Schwester und bekomme dafür eine grosse Menge an Adam, töte sie aber bei diesem Vorgang. Oder ich heile sie und bekomme dafür wenig Adam aber das Lächeln eines kleinen Mädchens.[SPOILERENDE]

Ich musste nie darüber nachdenken welche Entscheidung zu treffen sei. Ich heile die Mädchen grundsätzlich. Ich habe nicht einmal das Spiel gespeichtert um mir anzusehen wie die andere Option dargestellt wird, ich will es nicht wissen. Ich sitze ziemlich viel vor dem Computer und spiele. Ich habe bestimmt schon 'ich weiss nicht wie viele' Spiele gespielt und ich glaube das wenn man sich soviel mit dem Medium auseinandersetzt, das es dann sehr wichtig ist auf seine moralischen Befindlichkeiten auch während des Spielens zu hören. Bei Stalker gab es Mordaufträge die durch reine Habgier motiviert waren, ich habe diese Missionen nicht angenommen, denn ich würde mich dabei nicht mehr gut fühlen. Bei WoW wurde ich als Taurenkrieger durch die Dörfer bei Hillsbrad gejagt und sollte dort Bauern umlegen. Dabei war es da total idyllisch und friedlich, es gab keinen Grund dort einfach einzudringen und diese Bauern zu töten. Es ging mir echt schlecht als ich dieses Quest damals hinter mich brachte.

Ich weiß nicht was diese Sensibilität bedeutet. Andere lachen mich aus wenn ich ihnen davon erzähle und sagen daß es sich doch nur um ein Spiel handeln würde. Ich weiss das es das ist, aber mit manchen Dingen möchte ich einfach nicht mal aus Spaß rumprobieren. Vielleicht liegt es auch daran das ich soviel und intensiv spiele, wenn mich ein Spiel begeistert dann kann ich darin abtauchen. Vielleicht heisst es auch das ich zuviel spiele und nicht mehr trennen kann. Wichtig bleibt für mich das ich meinen eigenen Befindlichkeiten folge und mich nicht durch das Angebot eine moralisch zweifelhafte Tat in einem Spiel zu begehen dazu hinreissen lasse es auch zu tun. Denn ich glaube das uns damit suggeriert werden soll das es völlig ok ist so etwas zu tun. Doch wenn man sich an so etwas gewöhnt setzt das gewisse Schwellen runter. Und damit meine ich nicht das der Spieler dann losgeht und Leute erschiesst. Ich denke nicht das einem gesunden Spieler so etwas geschehen würde. Ich meine damit das etwas in uns kaputt geht. Ich weiss noch ziemlich gut wie ich bei einem Kumpel (Hallo Ri!) das erste Mal Unreal Tournament vorgeführt bekam. Im höchsten Zoomfaktor wurden da mit einem Scharfschützengewehr die Köpfe von den Gegnern zerschossen, so daß diese blutig und aufwendig animiert zerplatzen. Nach ein paar Minuten zusehen war mir tatsächlich übel. Nach jeden Filmschnipsel in dem ich solche Gewalt mit ansehen musste, nach jedem Stück Text in dem ich so etwas las, besonders erwähnen möchte ich hier die Schilderung der Vorgänge in El Salvador während der 80ger Jahre in Noam Chomskys 'What Uncle Sam really wants' Seite 38-39, geht etwas in mir unwiderruflich verloren. Ich merke wie etwas zerbricht. Oft kann ich dann tagelang keinen klaren Gedanken fassen weil mich die Bilder dessen bespuken was ich dort erfahren habe.

Ich denke wir sollten sehr sensibel mit dem Thema Gewalt umgehen, egal welcher Natur diese Gewalt ist. Wir sollten uns nicht erzählen lassen was ok ist und was nicht. Wir sollten auf unsere Herzen hören und dann entscheiden. Denn schließlich sind wir für unsere Taten selbst verantwortlich und können nicht irgendwann sagen ich habe das nur getan weil alle das taten. Das wurde schon versucht und hat nichts gebracht. Wir sollten besonders unsere Kinder vor solchen Einflussnahmen schützen und sie anleiten wie man so etwas erkannt und wie man damit umgeht. Ich mache mir wirklich sorgen um die Spieler die die 'little sisters' töten um an ihr Adam zu kommen, ich frage mich was das für Menschen sind. Ob ich mich mit denen verstehen würde. Es würde mich auf jeden Fall sehr irritieren, aber dann auf der anderen Seite ist es auch wieder 'nur' ein Spiel.

Sonntag, August 26, 2007

Party rückwärts

Ich hatte vergessen wie es sich anfühlt gestreichelt zu werden. Das erste Mal fiel mir das vor ein paar Tagen auf, es war mehr eine seltsame Ahnung. Mir wurde plötzlich klar, daß ich keinerlei Gefühl an der Stelle hinterlegt hatte, wo diese Erinnerung abgespeichert sein sollte. Doch da ich in diesem Moment nur abstrakt darüber nachdachte und es nicht überprüfen konnte blieb nur das Gefühl das es so ist.

Heute saß ich dann auf der Geburtstagsfeier eines Freundes und eine ziemlich besoffene Frau rechts neben mir, sie entdeckte die Ausläufer meines Tattoos und schob meinen T-Shirtärmel hoch, dabei grinste sie mich neugierig an. Dann begann sie die Linien meiner Tättowierung mit den Fingern nachzuziehen und schien ziemlich beglückt darüber. Zumindest blickte sie immer wieder zu mir auf und grinste mich besoffen an. Und wie ihre Finger da über die nackte Haut meines Oberarms strichen fiel es mir wieder ein. Ich hatte tatsächlich vergessen wie sich das anfühlt.
Jetzt weiss ich wieder wie sich das anfühlt, mal sehen wie lange es dauert bis ich es wieder vergessen haben.

Ungefähr eine Stunde bevor mich die besoffene Frau anfasste hatte ich ein anderes Erlebnis. Ich war eigentlich schon am Gehen als mich eine Frau in der Küche meines Freundes in ein Gespräch verwickelte. Ich fand sie nicht sonderlich attraktiv, weder in Wort noch Tat, wenn ihr versteht was ich meine. Es entspannte sich ein typischer Smalltalk und nachdem ich meinen Namen und dessen Herkunft erklärt hatte war ich plötzlich mit ihr allein in der Küche. Diese Küche ist nicht sehr breit und die Frau saß direkt vor der Küchentür auf einem Stuhl, die Beine hatte sie an die gegenüberliegende Wand gestützt. Sie versperrte mir also den Weg aus der Küche.
Wie das mit einem Smalltalk so ist, fanden wir uns schnell beim Thema Job und/oder Studium/Ausbildung wieder und sie teilte mir mit das sie momentan arbeitssuchend sei. Als ich nachfragte was sie denn gelernt hatte, teilte sie mir mit das sie keine Ausbildung und auch kein Studium hätte. Zu diesem Zeitpunkt wäre ich liebendgerne gegangen. Aber es war niemand da an den ich das Gespräch delegieren konnte und ausserdem versperrte sie den einzigen Ausgang durch den ich durchgepasst hätte. Ich quälte mich noch durch ein paar Sätze zum Thema wie schwer das denn sei auf dem Arbeitsmarkt und darüber das sie trotz ihrer Situation glücklich sei. Ich wäre am liebsten schreiend weggerannt. Ich kann mir nicht vorstellen das jemand in Deutschland ohne Ausbildung oder Studium glücklich wird, nicht auf die Art und Weise wie ich Glück definiere. Das hat bei mir jede Menge mit Sicherheit zu tun. Und da ich mir das nicht vorstellen kann, empfand ich ihre Worte als leere Worthülsen, als Lügen, als Schönfärberei. Und sowas ertrage ich einfach nicht. Ich war arbeitslos, jahrelang. Das ist kein schönes Leben. Das ist die Hölle. Ich überlegte also fieberhaft wie ich nun aus diesem Gespräch entkommen würde ohne ihr zu Nahe zu treten und sagte nach einem weiterem Jahrhundert an Qual zu ihr, ob wir nicht gucken wollen was in der restlichen Wohnung noch abgeht. Sie durchschaute mich und bemerkte daß sie schon verstehe. Ich sagte nur daß es sich um ein sehr schweres Thema handele und ging an ihr vorbei in den Flur, nun da sie mich ja durchschaut hatte und keinerlei Anerkennung dafür übrig hatte wie sozial verträglich ich versucht hatte sie nicht sitzenzulassen sondern auch weiterhin zu integrieren, war ich auch befreit davon weiterhin Rücksicht auf sie zunehmen und ich wand mich anderen Gesprächspartnern zu.

Noch früher an diesem Tage bereitete ich mich auf diese Party vor. Aus diesem Grunde fand ich mich in unserem Badezimmer ein und legte eine längere Partie Körperpflege ein. Neben dem üblichen Dingen die ich da so tue griff ich zur Enthaarungscreme die ich vor einigen Tagen erworben hatte. Nachdem lesen der Anleitung war ich ersteinmal skeptisch, denn da steht doch wirklich das man erst einen Arzt befragen solle ob man das benutzen dürfe. Und nur zum Verständnis, bei dieser Enthaarungscreme handelt es sich nicht um ein Produkt aus der ehemaligen Sowjetunion sondern um ein namhaftes Enthaarungsprodukt (Veet). Da ich aber schon wieder recht buschig unter den Achseln war musste etwas passieren. Nachdem Fahrradfahren roch ich wieder wie ein Katzenklo und das ist unerträglich. Kurzerhand spachtelte ich mir die Creme unter die rechte Achsel und sah auf mein Handy. Man solle das 4 Minuten einwirken lassen und die Haare dann mit dem Spatel entfernen. Mein Handy brauchte ich um anhand der Stopuhr in meinem Handy die genaue Zeit zu erfassen. Man darf die Enthaarungscreme nämlich auf gar keinen Fall länger als 6 Minuten auf der Haut behalten. Warum genau verschweigen die Hersteller leider.

Um eine lange Geschichte kurz zu machen. Es stinkt widerlich! Aber es wirkt. Der Spatel enfernte nach 4 Minuten die chemisch vernichteten Haare aus meinen Achseln und ich habe nun wunderbar glatte Babyachseln, wer will darf da gerne drüber streicheln.


Dienstag, August 21, 2007

August

Als ich ein Junge war habe ich die Welt so wundervoll anders gesehen. Heute muss ich oft darüber grinsen wenn ich darüber nachdenke. So dachte ich zum Beispiel noch bis weit in die Pubertät hinein mit einem gewissen Mitleid an die Mädels die sich in irgendwelchen Filmen auszogen und Sexszenen spielten. Ich konnte damals nicht verstehen warum Frauen die so wunderschön sind es nötig haben sich ihre Zuneigung vor der Kamera holen zu müssen. Ich dachte immer die hat keiner lieb und sie ist so einsam das sie gezwungen ist sich vor der Kamera lieben zu lassen. So sah ich die Welt.
Ich bin jetzt seit drei Wochen krank geschrieben. Und langsam fällt mir die Decke auf den Kopf. An manchen Tagen, wenn es mir gut geht, dann setze ich mich auf mein Fahrrad und fahre stundenlang durch die Stadt. Und jedes Mal stelle ich fest das ich mehr Luft auf den Reifen gebrauchen könnte und jedes Mal nehme ich mir vor einen Adapter zu besorgen damit ich meine Reifen an der Tankstelle mit Luft betanken kann. Es ist nämlich nicht mehr so wie ich das mal kannte das Mountainbikes Autoreifenventile haben, nein. Die haben jetzt spezielle Mounatinbikeventile und ich brauche einen Adapter zum Luft tanken. Wegen solcher Dinge gibt es das alte Spruchtum:" Reparier nischt, wat nisch kaputt sein tut!"
Morgen kümmer ich mich darum, ganz sicher.
Ich habe Neil Gaiman für mich entdeckt. Neverwhere habe ich in zwei Tagen weggeknuspert und an American gods sitze ich gerade dran. Stardust liegt schon auf dem Nachttisch und Mirrormask werde ich mir bald antun. Den ersten Sammelband von Sandman habe ich mir am Samstag angetan und morgen dürften Band 2 und 3 bei mir ankommen. Das ist der erste Autor den ich im englischen Original genauso schnell weglese wie auf deutsch. Ich weiss nicht ob das an seiner Sprache liegt oder an meinen Englischkenntnissen, aber es ist macht echt Spass. ES liegt wahrscheinlich wie immer, irgendwo dazwischen.
Das 'witzige' ist ja, daß mir Gaiman schon seit Jahren empfohlen wird von Leuten aus meinem Bekanntenkreis. Doch ich habe mich immer geweigert mich damit zu beschäftigen weil dieser Autor für mich die Leute repräsentierte die ihn mir empfohlen haben und ich wollte nichts an mir haben was mich mit diesen Leuten assoziierte. Nun stellt ich fest das sogar Koko Gaiman in seinerm Bücherregal stehen hat. Und wenn dieser völlig vergletscherte Zeitgenosse Freude an Gaiman finden kann oder konnte, dann kann ich das auch. Hier nun meine Rezensionen zu den bisherigen Werken:

Neverwhere

Ein Typ stolpert, mir nichts dir nichts, in eine seltsame Welt unterhalb der Stadt London. Er trifft auf eine wundervoll unheimliche Gesellschaft von Menschen und Wesen die unberührt durch die Zeit dort eine eigene Gesellschaft gegründet haben. Im London oberhalb der Gullideckel nimmt ihn keiner mehr wahr und es beginnt eine unheimliche Reise zu vielen seltsamen Orten. An deren Ende die Frage steht was wirklich zählt im Leben.
Unbedingt lesenswert. Charaktere die einem schnell ans Herz wachsen und die man vermisst wenn man mit dem Buch fertig ist.

Amercian Gods
Shadow wird aus dem Gefängnis entlassen und freut sich darauf endlich wieder nach Hause zu kommen. Doch dann kommt der Tiefschlag, seine Frau und sein bester Freund kommen bei einem Autounfall ums Leben und Shadow steht vor den Scherben seines Lebens. Das Jobangebot von Mr.Wednesday, den Shadow im Flugzeug kennenlernt, kommt da gerade richtig und ohne es zu wissen hat Shadow sich mit Leuten eingelassen die nur auf den ersten Blick ganz normale stereotype Amerikaner sind. Bei seinen Reisen mit Mr. Wednesday erfährt Shadow einiges über die Götter der Immigranten die mit, eben jenen, nach Amerika kamen.
Ein Roadtrip durch die Staaten mit einem desillusioniertem Gott als Beifahrer. Shadow der Hauptcharakter wird schön ausgearbeitet und man kann schnell nachvollziehen was den Mann treibt. Auch die Beweggründe der Götter werden schlüssig dargelegt und man fiebert bis zum Ende um jeden einzelnen mit.

The Sandman, Preludes & Nocturnes
In diesem Sammelband werden wir mit dem Sandman bekannt gemacht. Versehentlich beschworen und eingekerkert harrt er auf seine Freiheit. Als er diese endlich wieder erlangt steht er vor einem Neuanfang, seiner Machtinsignien beraubt macht er sich auf die Suche nach eben jenen.
Für mich persönlich war der Zeichenstil im ersten Moment nicht sehr ansprechend, aber mit jeder Seite die mich tiefere in die Geschichte zog öffnete sich mir auch die Kunst des Zeichners und am Ende des Bandes fand ich alles passend.

Soviel erstmal dazu, ich werde mehr schreiben wenn ich mehr weiss.