Montag, Juli 16, 2007

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Das sind interessante Zeiten die ich erleben darf. Ich habe gerade Urlaub und somit einiges an Zeit um die Stadt wieder mal neu zu entdecken und um verrückte Ideen umzusetzen. Die Idee die dieses Woche prägte war die, daß ich mich tättowieren lassen will. Am Dienstag machte ich mich also an die Recherche was gute Tattoostudios angeht und erlebte, daraus resultierend, einiges Interessantes.


Dienstag

An eben jenem Dienstag lernte ich in einem Tattoostudio eine nette, junge Frau (Y.) kennen. Ihre strahlenden Augen und ihr Lächeln nahmen mich sofort für sie ein. Wir kamen locker etwas ins Gespräch und unterhielten uns über die Unwegbarkeiten des Tättowierens. Nachdem ich mich mit dem Tättowierer über den Preis und den Termin geeinigt hatte, verabschiedete ich mich und wollte von dannen ziehen. Doch eben jene, oben genannte Frau meinte das sie mit mir durchaus einen Kaffee trinken gehen würde und ich stimmte dem Vorschlag zu. Wir saßen dann etwa 3 Stunden in einer Cafeteria in Steglitz und erzählten uns einiges übereinander. Immer wenn sie lächelte wollte mir das Herz aus der Brust springen und sie lächelte oft und viel.

Bei Hugendubel tauschten wir dann Telefonnummern aus und jeder ging wieder seines Weges. Ich war beschwingt und fühlte mich bestätigt vom Schicksal das ich alles richtig gemacht hatte im letzten halben Jahr. Es ist nicht das schlechteste wenn man von einer attraktiven Frau zu einem Käffchen mitgenommen wird. Ich fühlte mich gross.

Später am Abend war ich dann mit einer Arbeitskollegin nett was essen, der Tag war also rund. Ich ging zufrieden lächelnd ins Bett als er vorbei war.


Mittwoch

Mission Tattoo geht weiter. Ich war unzufrieden mit dem Angebot des ersten Tättowierers aus Steglitz und meine neue Bekanntschaft ließ auch kein gutes Haar an dem Mann. Aber alles nach einander. Der Tag begann um 7.30h, ich begleitete meine kleine Schwester bei einem Besuch im Krankenhaus, danach fuhr ich heim und wollte eigentlich Schlaf nachholen, nur ließ mir das Tättowierding keine Ruhe. Ich laß eine alte Email von Miguel und beschloss spontan die darin genannten Studios abzuklappern. Ich stieg aufs Fahrrad und radelte los. Meine eigentlich Verabredung für den Abend hatte ich abgesagt weil ich mich geistig nicht im Stande sah zu leiten. Die Studios auf meiner Liste trafen nicht meinen Geschmack und ich fuhr quer durch Charlottenburg wieder nach Hause. Dabei stolperte ich an der Kant- Ecke Leibnizstrasse über ein kleines Studio. Ich hielt, sprach kurz vor und fühlte mich gleich gut aufgenommen. Leider war der Tättowierer selbst nicht anwesend, man teilte mir mit das dieser nach 17.00 Uhr anzutreffen sei. Ich radelte heim und stellte dort fest das ich Y. nur um wenige Minuten verpasst hatte als diese mich via MSN angeRrring!t hatte. Ich hüpfte verärgert durch mein Zimmer und meine innere Unruhe nahm weiter zu. Gegen 17.00 Uhr sprang ich wieder aufs Bike und raste zum Studio, dort machte ich alles wasserdicht und werde nun am 21.7. um 14.00 mit Tinte versehen.

Wieder zu Hause angekommen traf ich Y. online an und kurz darauf telefonierten wir und verabredeten uns für den Abend. Einen unbedeutenden Moment später saß ich in der S-Bahn nach

Lichterfeld West, ich hatte mir noch eben etwas Bob Marley auf meinen Player gezogen, denn das macht einen lockeren Gang und den Kopf frei. Ich verbrachte einige sehr nette Stunden mit Y. In einem Laden namens Palm Beach, eine Cocktailbar die auf Strand gemacht war, da lag sogar Sand auf dem Boden. Leider hatten die dort auch hin und wieder ein Musikangebot laufen das den besoffensten Ballermannkunden glücklich gemacht hätte. Ich hatte Spass. Wir unterhielten uns über Alles und Jeden und immer wenn sie lächelte fingen meine Sicherungsdrähte an zu glühen. Gegen 0.15 Uhr löste ich die Versammlung auf um noch eine S-Bahn nach Hause zu bekommen. Ich war euphorisch und verknallt. Ich war betrunken an der mir so unbekannten Situation. Auf dem Weg heim saß ich in der S-Bahn und schrieb Y. eine SMS und machte meine Absichten mehr als deutlich. Ich war dermaßen durch den Wind das ich am S-Bahnhof Schöneberg in die Falsche S-Bahn einstieg und Südkreuz noch mal umsteigen musste.

Als ich endlich zu Hause angekommen war, war sie schon lange Online und wir chatteten noch ein wenig über den Abend und was ich eigentlich wolle. Ziemlich abrupt war sie dann müde und ging offline. Ich war nicht müde, nur irritiert.

Nachdem ich mir noch eine halbe Stunde Nachtfernsehen gegeben hatte wurde auch ich müde.


Donnerstag

Mein B-day. Ich erwachte um 9.42 Uhr durch das Klingeln meines Telefons. Es war Y. und sie trällerte ins Telefon. Ich wollte nur pennen und war total neben mir. Die Irritation vom vorherigen Abend war durch den Schlaf übrigens nicht im geringsten beeinträchtigt worden. Sie hatte die ganze Nacht neben mir gelegen und auf die Rückkehr meines Bewusstseins gewartet. Als also das Telefon klingelte da war das seltsame Gefühl des Vorabends wieder da. Mir dämmerte das ich eventuell, von der Euphorie des Momentes getrieben, meinen Mund zu voll genommen haben könnte. Sicher war ich mir darüber nicht, aber ich fühlte mich elend.

2/3 der Leute die ich kenne riefen zwischen 10.00 und 12. 00 an, das war sehr nett von euch, danke. Um 12.00 Uhr stand ich dann endlich auf und wappnete mich für den Tag. Mein Frühstück bestand aus ein paar Scheiden Wasa Sesam mit ordentlich Salsa als Aufstrich. Dann zog es mich zu meiner Schwester. Dort verbrachte ich einen schönen Tag mit Bruscetta und Kuchen. Wir spielten mit der Wii und hatten Spass, auch wenn mich sowohl meine Schwester, als auch meine beiden Nichten beim Bowlen an die Wand gespielt haben. Ich revanchierte mich mit einer Runde Golf und machte die Damen platt, muahahah!

Gegen 17.30Uhr bekam ich eine SMS von Y., sie müsse zum Arzt und eine Wurzelbehandlung durchstehen, ob ich nicht mitkommen könne weil sie so eine Angst davor hätte. Da es für mich sehr schwer ist das Hilfeersuchen einer anderen, mir wichtigen Person abzuschmettern machte ich mich zu ihr auf den Weg. Obwohl es mein B-day ist und ich eigentlich gerade noch am Feiern bei meiner Family war. Aber wie hätte ich Nein sagen können ohne mich schäbig zu fühlen?

Ausserdem fühlte ich mich auch so schon schäbig, denn das Gefühl was ich beim Aufstehen gehabt hatte war die ganze Zeit über da. Nun ja, ich teilte ihr mit das ich ihr natürlich beistehen würde, daß es aber natürlich nicht so prall war dafür von seiner B-dayfeier weggeholt zu werden. Dann fuhr sie zu sich und ich zu mir. Auf dem Weg nach Hause wurde mir klar das ich mich völlig verzettelt hatte und das ich Y. sehr hart angepackt hatte. In einem verzweifelten Versuch meinen Kopf klarzubekommen und alles etwas ruhiger anzugehen teilte ich ihr mit, wieder via SMS, daß ich befürchtete das Maul zu weit aufgerissen zu haben und das ich mich deshalb Scheisse fühle. Sie fühlte sich durch meine Zeilen gedumpt! Ich erfuhr das als ich sie anrief um mich mit ihr zu besprechen, leider hatte sie da schon ihre Entscheidung getroffen und war stinkend sauer. Sie hängte mich freundlich ab und aus- die-Maus!


Nun ja, mittlerweile ist Sonntag und ich habe nichts mehr von ihr gehört und mich auch emotional wieder völlig distanzieren können. Ich bin ein Feigling, das muss ich hier mal ganz offen eingestehen. Wenn es um Herzensangelegenheiten geht dann bekomme ich weiche Knie. Diese sind dann allerdings von so einer Weichheit das es unverhältnismäßig zu den durchschnittlichen weichen Knien ist. Ich bekomme kein Wort mehr raus. Als ich ein teenager war habe ich mir angewöhnt solche Situationen mit einem Brief zu regeln. Eine SMS ist also eine moderne Form eines solchen Ausweges. Ich weiß das viele das feige finden werden und sagen werden das man manche Dinge persönliche regeln muss. But talk is cheap, man hat immer gut reden wenn es um die Leben von anderen Leuten geht. Ist bei mir ja nicht anders. „Was habe ich gelernt aus dieser Woche?“ ist die Frage die in meinen Augen offenbleibt. Das will ich ganz offen beantworten, auch wenn es für einige vllt offentsichtlich ist. Bis Mittwoch war ich doch tatsächlich der Meinung, daß ich mich auf jede Frau einlassen könne solange sie nur ein hübsches Gesicht hat. Ich dachte mir das sei das wichtigste, denn wie oft sieht man ins Gesicht der Frau und wie oft auf Brüste und Hintern? Also sagte ich immer sowas wie:“ Solange sie ein hübsches Gesicht hat, was mich anspricht, kann sie meinetwegen aussehen wie ein drei ärschiger Affe!“ Tja, ich lag falsch. Völlig daneben. Denn Y.'s Gesicht ist wunderschön, doch als sie mir erzählte das sie mit ihrem Übergewicht glücklich sei da konnte ich nur nervös zwinkern und ihr sagen das sie Quark redet. Sie vertrat daraufhin ihre gewichtige Meinung, daß sie sich nicht für irgendjemand anders verändern würde. Ich hatte diese Erwartung aber auch gar nicht an sie gestellt. Ich versuchte ihr zu vermitteln wie gut es mir geht seitdem ich mich so stark reduziert habe, aber sie winkte ab.


Nun ja, lange Rede, gar kein Sinn, sie verharrte auf ihrer Position und ich litt da ich wusste das sie im Herzen nicht meinte was sie sagte und immer wenn ich sie ansah, dann sah ich den wunderschönen, gesunden Menschen der sich hinter der Wand aus Fleisch verbarg. Niemand der Übergewicht hat ist glücklich. Ahnungslos vielleicht, glücklich nicht. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten das man gar nicht in der Lage ist Glück wirklich zu empfinden wenn der Speck zu dick ist.


Wo bringt mich das hin? Vor nicht mal einem Jahr war ich in mir selbst gefangen und dachte es gäbe keinen Weg da raus. Ich lag falsch. Und nun komme ich in eine Situation die ich mir sicherlich schon x-mal herbeigesehnt habe. Und was tue ich? Ich bin unzufrieden und nehme nicht an was mir da so freimütig angeboten. Auf der anderen Seite frage ich mich natürlich auch ob man das erstbeste Angebot gleich annehmen sollte?

Sie hat mir diese Entscheidung abgenommen und ich bin nicht unglücklich darüber. Nun muss ich mir eingestehen das gewisse Erwartungen meinerseits immer nur aus einer theoretischen Sicht der Dinge entsstanden sind und leider nichts mit der Realität zu tun hatten. Ich kann niemanden lieben der sich selbst nicht wenigstens gern hat.

Trotzdem herzlichen Dank ans Schicksal von meiner Seite, diese Erfahrung war gross. Auch danke an Y. das du den Mut aufgebracht hast mich anzusprechen. Und da ich gerade beim Danken bin, fühlt euch alle mal gedrückt, besonders du Götz. Der Sommer ist für ein paar Tage zurück, macht was draus!

Samstag, Juli 07, 2007

Zeit abgelaufen

Dieses Gefühl in meiner Brust ist seit Wochen nur für diesen Tag reserviert gewesen. Heute war der letzte Tag an dem ich meine Hortgruppe sah. Ab Montag habe ich Urlaub bis Anfang August, also bis ins nächste Schuljahr, und dann kommt eine neue Gruppe Kinder in meinen Hort.

Die Gruppe von der ich mich heute verabschiedete kannte ich seit drei Jahre und sah sie fast täglich. Die meisten von ihnen waren seit der ersten Klasse bei mir und nun fehlen sie mir, nur heute, nur jetzt. Das ist professionell und praktisch so. Meine weiblichen Kolleginnen gingen mir schon furchtbar auf die Nerven mit ihrer gefühlsduseligen Art. Ich finde das nicht professionell.

Die Kinder sind heute nach Hause gegangen wie an jedem anderen Tag auch, erst in ein paar Tagen werden die meisten realisieren das sich da etwas geändert hat. Drei Jahre sind keine Zeit, rückblickend betrachtet.

Auf die neue Gruppe freue ich mich bereits, noch gehen die alle in die Vorschule und sind eine handvoll zahnlückiger Zappelflöhe. Als meine erste Gruppe damals kam waren die auch in dem Alter, das kann ich mir heute kaum vorstellen. Im Erzieherberuf gibt es selten Momente in denen man weiss das man etwas abschliessend behandelt hat. So wie ein Tischler der einen Tisch baut und irgendwann damit fertig ist. Jetzt ist aber ein solcher Zeitpunkt, zwar kann man in meinem Beruf nicht von einem Zustand ausgehen der als 'fertig' anzusehen ist, also ich werde meinen Tisch nie fertig tischlern. Ein solcher Zeitpunkt wird viel mehr durch die Zeitintervalle ausgelöst in denen man seine Arbeit tut. Es sind drei Jahre rum, ich bekomme eine neue Gruppe. Zeitinterval vorbei, ich bin fertig, ob der Tisch nun wackelt oder nur drei Beine hat. Meine Zeit ist sozusagen abgelaufen.

Ich sehe natürlich auch die Chancen die sich mir hier bieten. Denn ich weiss wie lang der nächste Zeitinterval sein wird und ich kann versuchen in dieser Zeit mehr und/oder anderes zu erreichen. Ich muss diese Gelegenheit nutzen um vor mir selbst eine gewisse pädagogische Rechenschaft abzulegen. Wo habe ich meinen Vorstellungen entsprochen? Wo war ich rücksichtlos und wo war ich blind? Was war gut und was sollte ich in Zukunft anders und besser machen? Ich freue mich sehr darauf, denn es ist das erste Mal das ich vor diesem Schritt stehe. Zumindest im beruflichen Umfeld. Das fühlt sich so furchtbar erwachsen an.

Aber heute ist noch Zeit um dem Vergangenem nach zu weinen. Ich hoffe bei den Kindern einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Ich hoffe sie etwas auf das Leben da draussen vorbereitet zu haben. Ich hoffe das sie durch mich erfahren haben das es nicht schlimm ist anders zu sein. Ich wünsche mir das die Kinder mich als coolen Erwachsenen in Erinnerung behalten auf den man bauen konnte und mit dem man viel Spass haben konnte. Ich hoffe das sie auch weiterhin an geschmeidige Kollegen geraten die sie nicht zu Nazis oder Spiessern erziehen. Sie sind mir doch ziemlich an Herz gewachsen.

Macht's gut ihr kleinen Menschen.