Dienstag, Februar 20, 2007

Compa Shakur

Der leise Klang einer Fiedel drang von fern an sein Ohr. Er hob langsam den Kopf, heisser Sand rieselte ihm dabei in den Kragen seines weiten Hemdes. Er schluckte und wollte etwas sagen, doch der Schmerz seiner aufspringenden Lippen liess ihn stocken. Heiser und mit trockenem Mund formulierte er ein schwach gestöhntes :“ Hier bin ich, hier!“ und sackte zurück in den heissen Wüstensand. So sollte es also zu Ende gehen, obwohl alles so gut angefangen hatte.

***


„Und wenn du damit fertig bist zeigst du es mir noch einmal zur Kontrolle, ich kann es mir nicht erlauben das mein Lehrling die Kundschaft vergrault weil er schlampig arbeitet.“ „Ja, Meister“ antwortete der junge Mann und beugte sich tiefer über seine Arbeitsbank. In seiner rechten Augenhöhle steckte das Okular eines Juwelenschleifers. Heute fiel es ihm ausgesprochen schwer sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Es war nicht so das es ihm keinen Spass machte, nein im Gegenteil, er liebte diese Arbeit. Er liebte es mit der Verantwortung für den teuren Werkstoff umzugehen und aus dem was die Schöpfung schon wunderbar hervorgebracht hatte noch etwas grösseres, wunderbareres werden zu lassen. Er fühlte sich bei der Arbeit als lebendiger Teil der Schöpfung. Er hatte das Gefühl wirklich etwas verändern zu können. Auch wenn diese Veränderung manchmal nur langsam voranschritt und für das Laienauge kaum sichtbar war.

Er hob seinen Kopf und legte ihn in den Nacken. Mit vorgeschobener Unterlippe blies er sich die langen schwarzen Haare seines Ponies aus dem Gesicht, während er den Kopf erst nach rechts und dann nach links drehte und knackend seine Nackenwirbel deblockierte. Er nahm das Okular aus dem Gesicht und sah zu seinem Meister herüber. Immer wieder musste er lächeln wenn er Meister Haruki ansah. Dieser kleine, etwas zerbrechlich wirkende Mann hatte eine Ausstrahlung wie ein Löwe, wobei sein Blick eher etwas raubvogelhaftes hatte. Dieser verhandelte gerade mit einem Händler über einen Beutel Rubine und gestikulierte sparsam aber ausdruckstark auf den Händler ein. Der gab endlich nach und akzeptierte den Preis den Meister Haruki bot. Mit einem Handschlag wurde der Handel besiegelt und Ware und Jade wechselten ihre Besitzer. „Ein Talent für diese Menge an Steinen ist wirklich nicht akzeptabel“, sagte er als er sich seinem Lehrling zuwendete. „Immerhin sind die Steine von hervorragender Qualität und wir werden sie sicher für das fünffache wieder los“ er lächelte verschmitzt und ging auf seinen Lehrling zu. „Dann zeig mal was du da hast, Compa!“ sagte er als sein Lehrling sich erhob und ihm das Ergebnis seiner Arbeit des heutigen Vormittags mit beiden Händen überreichte. „ Ich denke es ist gut geworden Meister Haruki“, er sah seinen Meister aufgeregt grinsend an. Dieser hatte den Blick auf den Edelstein gesenkt den er soeben erhalten hatte. Langsam drehte er das Kunstwerk zwischen Zeigefinger und Daumen der rechten Hand und während er den Stein vor sein rechtes Auge hob sagte er: „Auf grobe Fehler hast du diesmal verzichtet, das ist unerwartend erfrischend.“ Er nahm den Stein vom Auge und zwinkerte Compa lächelnd zu. „Sehr gut“ er nickte und gab Compa den Stein wieder. Compa strahlte von Ohr zu Ohr und verwahrte den Stein in der dafür vorgesehenen Truhe. Ein eher unscheinbares Model von Truhe, sie machte augenscheinlich nicht viel her, doch Compa wusste das ihre Stärke eher in der Struktur des verbauten Materials lag als im Erscheinen. Er wandte sich wieder seinem Meister zu während er sich mit dem Handrücken den Schweiss aus dem Gesicht wischte.

Es wurde langsam heiss, es wurde immer heiss in Gem wenn es auf den Mittag zuging.

Gem war keine grosse Stadt, aber sie war die grösste Stadt so tief im Süden nahe dem Elementarpols des Feuers. Wenn man behauptete es wurde heiss gegen Mittag, dann meinte man eigentlich das es unerträglich wurde. Denn heiss war es in Gem zu jeder Tages- und Jahreszeit. Die Oberflächen ausserhalb der schattenspendenden Sonnensegel waren glutheiss, über ihnen flirrte die Luft. Gem hatte Edelsteine. Gem hatte kein Wasser. Diese beiden wichtigen Fakten machten Gem in der ganzen Schöpfung bekannt. Hier tauschte man das von dem man zuviel hatte, gegen das was man zum Überleben brauchte. Glücklicherweise war der vorhandene Überfluss in Gem im fernen Reich der scharlachroten Kaiserin ein Vermögen wert.

Die Behausungen und Werkstätten der Menschen die hier lebten waren in den Fels gegraben worden. Es muss eine ungeheure Qual gewesen sein diese Höhlen anzulegen. Die Höhlen zogen sich in mehreren Kreisen den Berg hinauf und so bestand die Stadt aus mehreren Ebenen. Die Höhleneingänge waren mit breiten Sonnensegeln aus Leinen und Tierhäuten vor der direkten Sonne geschützt. Auf den Plätzen der Händler hatte man die Sonnensegel so gespannt das man auf dem ganzen Platz im Schatten ging.

Gegen Mittag war es in dieser Stadt üblich die Arbeit ruhen zu lassen und sich auszuruhen. Dazu zog man sich in die Höhlen zurück, denn dort war es halbwegs erträglich, besonders wenn man direkt von draussen hereinkam war es sehr angenehm in die Höhlen zu gehen. Es kühlte angenehm ohne langfristig auszukühlen, denn der warme Wind der die Hänge des Berges hinauf und hinab wehte, fuhr auch durch die Höhlen.

„Meister Haruki? Die Sonne steht fast im Zenit, darf ich mich zurückziehen?“ Er sah zu seinem Meister herüber. Dieser stand mit dem Rücken zu ihm und sah ihn über die linke Schulter hinweg an. „Ja ist gut Compa, ich bin sehr zufrieden mit dir, du hast viel gelernt“, er drehte sich während er das sagte vollständig um und musterte Compa lächelnd. „Vielleicht sollten wir bald über deine Gesellenprüfung sprechen, ich denke du bist soweit“. Compa schluckte und liess den Mund offen stehen „ Meister Haruki meint ihr das wirklich?“ Er konnte seine Freude kaum unterdrücken während er seinen Meister fragte. Meister Haruki nickte nur.

„Danke Meister“, Compa strahlte über das ganze Gesicht und trat nervös auf der Stelle. „Nun mach das du in die Höhlen kommst, wir besprechen alles andere heute Abend wenn es wieder etwas erträglicher ist hier draussen.“

Meister Haruki machte eine verscheuchende Geste und wandte sich wieder seiner Kasse zu.

Compa machte auf den Hacken kehrt und lief aus der Werkstatt. Das musste er unbedingt Tama erzählen. Compa lief durch die schattigen Gassen der Stadt auf die unterste Ebene. Dort war es um diese Tageszeit zwar voll aber auch kühl. Und vorallem war dort Tama.

Die Leute sahen dem grossen, jungen Mann lächelnd nach. Sein langes Haar war mit einem Stück Leder zu einem Zopf gebunden, nur der Pony war noch widerspenstig kurz und löste sich immer wieder aus seinem Zopf. Er trug die üblichen Gewänder, ein weites rotes Hemd dessen Stoff leicht war und nicht über die Maßen belastete und dazu eine weite Stoffhose aus ehemals weissem Stoff. Seine braungebrannten Füsse waren nackt und machten patschende Geräusche als er über den Fels des Berges rannte. Sein Körperbau war eher drahtig zu nennen. Seine Mutter sagte immer das er mehr essen solle weil er nichts auf den Rippen hatte. Compa fand das nicht und er war zufrieden mit dem was die Schöpfung ihm als Körper geschenkt hatte. Sein Gesicht hatte feine Züge, einen sinnlichen Mund und schwungvolle Augenbrauen. Und wenn dieses Gesicht lächelte dann war das als würde die Sonne aufgehen.

to be continued........

Freitag, Februar 16, 2007

Peng-peng-zisch

Ich habe eine neue Randgruppe entdeckt die sich lächelnd meinen Hass verdient. Raucher. Und dabei meine ich nicht das grosse Heer der Nikotinabhängigen, sondern viel mehr die Unterspezies derer die auf einem Bahnhof direkt neben dem Schild 'Rauchfreier Bahnhof' stehen und rauchen. Erst in einem solchem Moment wird einem wirklich klar wie sehr auch nur eine einzige Zigarette die Luft verpestet. Jedes Mal wenn ich so einen sehe, es sind in der Mehrheit leider Kerle, dann denke ich darüber nach das ich ihm eigentlich sagen sollte: „ He du! Das ist hier ein rauchfreier Bahnhof“, dabei zeige ich auf das Schild.„Und für Spinner wie dich haben sie sogar ein Bild mit einer durchgestrichenen Zigarette daneben gemalt, also mach die Scheisszigarette aus, sie stinkt!“ Doch ich tue es nicht, denn wie habe ich es mal so schön in einem Song gehört.... the perverted fear of violence chokes the smile on every face and common sense is ringing out the bell. Ich befürchte nämlich das der Zeitgenosse eine 9mm zieht und mir zweimal ins Gesicht schiesst und mich dann fragt, während er sich über mich beugt und seine Zigarette in meinem Restgesicht ausdrückt:„ Wer raucht jetzt du Arsch?“

Und Schüsse ins Gesicht sind kein Spaziergang, mein Vater bekam 5 Schüsse ins Gesicht, was gar nicht so leicht ist, in ein einzelnes Gesicht fünf Schüsse zu versenken. Wo doch auch die Zielfläche nach jedem Treffer weniger wird. Meinen Respekt an die Scharfschützen der deutschen Polizei.


Wo war ich?


Raucher. Gut, ich könnte auch nett auf den Zeitgenossen zugehen und sagen: „Ähm entschuldige, ich will dich ja nicht vollquatschen, aber das ist hier ein rauchfreier Bahnhof“, dabei deute ich mit entschuldigendem Lächeln auf das Schild mit der durchgestrichenen Zigarette.“Wäre echt nett von dir wenn du die Zigarette ausmachen würdest, ich bin nämlich Nichtraucher und also ich finde sie, ist jetzt nicht so gemeint, sie stinkt“ Dabei hebe ich die Arme beschwichtigend und senke den Kopf ein wenig um nicht bedrohlich zu wirken. Ich will den Abhängigen ja nicht auch noch provozieren, so kurz vor seinem cold turkey. Aber selbst bei dieser Herangehensweise befürchte ich peng-peng-zisch. „Wer raucht jetzt du Arsch?“

Ich drehe mich also im Kreis und komme nicht dazu das Problem sinnvoll für mich zu lösen.


Heute morgen ging ich nun die Stufen vom oberen zum unteren Bahnsteig am Südkreuz runter. Unten am Treppenabsatz prangt eben ein solches 'rauchfreier Bahnhofschild' und direkt darunter steht eine junge Frau von höchstens 20 Jahren mit blondiertem Haar und raucht. Sofort komme ich in Wallung und errege mich ob dieses unhaltbaren Zustandes und merke wie ein Teil meines Wesens entscheidet der jungen Frau jetzt mal eine klare Nichtraucheransage zu machen. Doch dann halte ich ich inne, eine andere Stimme in meinem Kopf schreit:“ Stop!“. Ich mache mir selbst Vorwürfe das ich bereit gewesen wäre der jungen Frau verbal den jungen Arsch aufzureissen. Bei keinem Typen der letzten Wochen habe ich mich getraut etwas zu sagen, aber hier bei der jungen Frau wollte ich den Tiger raushängen lassen. Ich schämte mich ein wenig vor mir selbst als ich an ihr vorbeiging und nichts sagte. Denn wie sollte ich mir im Spiegel ins Gesicht blicken können wenn ich einer Frau, die ich für wehrlos halte, eine Ansage mache, mich aber bei meinen Geschlechtsgenossen nicht traue? Und wahrscheinlich hätte sie sowieso mit einem trockenen peng-peng-zisch reagiert. Das wäre dann allerdings wirklich überraschend gewesen.

Wie ich mir ein solches Frauenbild bewahren konnte, das Frauen als friedfertige und soziale Wesen höher einschätzt als Männer, nach alldem was mir mit Weibern passiert ist, ist überraschend. Bin ich unbelehrbar? Aber das ist eine andere Geschichte.

Koko und ich denken nun über Nikotinpatrouillen nach. Eine solche Patrouille wäre die effektivste Mischung aus Höflichkeit und Gewalt. Davon ausgehend das ein Raucher einen Nichtraucher immer in seiner körperlichen Unversehrtheit verletzt, wenn dieser ohne die Zustimmung des Nichtrauchers anfängt zu rauchen, müssen wir Wege zur effektiven Notwehr finden. Eine solche Patrouille könnte dann, z.B., aus mir und Koko bestehen und wäre in etwa 9 Jahren bereit für den Einsatz im Feld. Die grundlegende Idee auf der die Patrouille funktioniert ist die Überraschung. Erstes Überraschungsmoment wird sein das ich der höfliche Ansprechpartner sein werde und Koko die notwendige Gewalt mit ins Team bringt. 9 Jahre werden wir brauchen um uns die notwendigen Skills anzueignen, wobei es einen Großteil der Zeit kosten wird mir bestimmte Umgangsformen beizubringen, wie etwa den aufrechten Gang und Sätze mit Subjekt und Prädikat. Kokos nordischer Körper ist zum Töten gemacht worden, er wird nicht länger als ein halbes Jahr brauchen um alle 256 Arten jemanden mit einer Banane zu töten perfekt zu beherrschen. Zweites Überraschungsmoment wird unser grundsätzlich unerwartetes Erscheinen und unsere grosse innere Ruhe sein. Ein solches Zusammentreffen mit einem potentiellen Lungenkrebskandidaten wird dann etwa so aussehen:

„ Guten Tag Nikotinpatrouille, entschuldigen sie die Störung aber das hier ist ein rauchfreier Bahnhof und ich muss sie auffordern diese Zigarette auszumachen denn sie erhöhen das Krebsrisiko ihrer Mitmenschen enorm durch ihre Sucht“ ich lächle den Raucher mitleidig an und weise mit einer Hand auf einen Aschenbecher. „Sollten sie der Aufforderung nicht nachkommen können sie das auch mit meinem Kollegen Koko besprechen“, ich lächle immernoch und deute auf Koko, der steht nur da und ist die Ruhe selbst. Der Nikotinberauschte zieht ein 9mm und wie ein Schatten der über einen Bergsee gleitet, bewegt sich Koko totbringend auf den armen Abhängigen zu. Mit einem kurzen knick-knack bricht der Raucher zusammen. Die kleine Kreis der Schaulustigen applaudiert noch vor Ehrfurcht erzitternd und sie nicken Koko und mir lächelnd zu. Wir verbeugen uns und entsorgen den gelähmten Körper des Suchtkranken vor der einfahrenden Bahn. Mit dem Gekreisch der Zugräder verschwindet auch die Nikotinpatrouille wieder aus der Aufmerksamkeit der ahnungslos geschützten.


Neben der Angst das ich unverhältnismäßiger Gewalt ausgesetzt werde, stelle ich mir auch immer wieder die Frage ob ich mich nicht eventuell voll zum schrägen Vogel mache wenn ich anfange Leute (Raucher) auf diese Situation anzusprechen. Allein der Fakt das mich sowas stört und ich dazu etwas schreibe drängt mir die Frage auf ob nicht vielleicht kleinlich bin. Auf der anderen Seite ist Lungenkrebs ja auch keine Kleinigkeit. Was würdet ihr tun?