Mittwoch, Januar 31, 2007

I can see clearly now

Eine Schwimmbrille. Sie ist schwarz und grau. Die Gummibänder sind ebenfalls schwarz und es steht ALEX drauf. Eine wunderbare Angelegenheit so eine Schwimmbrille. Sie löst nicht nur das Problem mit dem Chlorwasser welches sich beim Untertauchen gerne unter meine Augenlider schiebt, sie löst mich auch völlig aus dem sozialen Umfeld Schwimmbad. Denn wenn sich dieses Wunder aus Hartplastik und Gummi an meinen Augenhöhlen festsaugt, dann höre ich auf Huba zu sein. Ich höre auf ein Mensch zu sein. Ich werde eine Schwimmmaschine. Der Nautilus gleich gleite ich durch das Wasser, ich bremse für niemanden. Mir wird klar warum Schwimmer mit diesen Brillen sich so asozial verhalten. Man kann einfach nicht anders als nur an sich selbst und seine Bahn denken, denn die Periphärsicht wird völlig ausgeschaltet. Ausserdem verlagert sich die Sicht von Überwasser nach Unterwasser. Und was soll ich sagen, blau ist wunderschön. Ich bin nur noch mit schwimmen beschäftigt, denn die Brille will es so. Sie übernimmt mich, ich nehme an das sie sich deswegen an mir festsaugt wenn ich sie aufsetze. Da ich nur unter Wasser klar sehe, kann ich mich auch nur unter Wasser sinnvoll sozialisieren, was zugegebenermaßen nicht einfach ist. Über Wasser sehe ich nur Umrisse und kann kaum Männlein von Weiblein unterscheiden.

Nun ja, sie hilft mir über nahezu alles hinwegzusehen was ich neulich noch so interessant fand. Eine ähnliche Erfindung für die Nase wäre nun noch wunderbar.

Freitag, Januar 26, 2007

Rückenschwimmer




Schwimmen macht Spass.

Es ist wundervoll ins blaue, warme Nass abzutauchen und die Welt um sich herum einfach zu vergessen. Er tut mir seelisch und körperlich gut. Ich gleite hinein und schwimme eine Stunde lang in meinem Tempo. Die Halle in der ich kreuze ist eine recht alte Halle und ein ziemlich kleines, aber hübsches Bad. Wenn 10 Leute im Wasser sind muss man schon aufpassen das man seine Bahnen nicht über jemand anders hinweg schwimmt.

Besonders Spass machen mir in solch einer Situation die Rückenschwimmer. Gnadenlos ziehen sie ihre Bahnen, scheissen drauf ob da wer anders auch am Schwimmen ist. Das ist doch wie mit verbundenen Augen über den grossen Stern zu fahren und sich darauf zu verlassen das die anderen schon ausweichen werden. Schade nur das ich noch nicht gesehen habe wie sich zwei Rückenschwimmer gerammt und versenkt haben.

Eine andere Beobachtung die ich machte, hängt mit der persönlichen Hygiene zusammen. Wenn man eine Stunde lang nur im Kreis schwimmt dann hat man Zeit sich über so allerhand belangloses Gedanken zu machen.

In der Herrendusche hängt ein Schild das allen die lesen können mitteilt, daß vor dem Baden der ganze Körper, nach Ablegen der Badebekleidung, mit Seife zu waschen sei. Als ich meine Bahnen zog viel es mir dann irgendwann auf, zig Frauen um mich herum im Wasser hatten trockene Haare. Ich begann also darauf zu achten wie die Frauen aussahen die direkt aus der Umkleide kamen und siehe da 8 von 10 waren knochentrocken. Uns Kerlen wird ja immer eingeredet wir sind Schweine und würden uns nie waschen, aber was ist denn das? Will ja nicht kleinlich sein, aber irgendwie wiederspricht das doch dem allgemeinen Vorurteil.

Und noch was, ein kleiner Tipp. Geht bitte nicht schwimmen wenn ihr am Vortag Knoblauch genossen habt. Der Körper schwitzt den wieder aus und man riecht übel aus jeder Pore. Und wenn man dann in Badehose da steht, weht einem das todbringend um die Nase, neben mir trieben tote Vampire bauchoben. Und ich sage euch diesen Geruch bekommt man auch durch Chlorwasser nicht weg. Das ist dann als würde neben einem ein Knoblauchbaguette seine Bahnen ziehen, nur ohne lecker.

Ansonsten ist Schwimmen etwas wunderbares, es schont die Gelenke und man kann sich gewissenlos auspowern ohne ins Schwitzen zu geraten. Ich kann es jedem nur empfehlen, es ist wunderbar zum Abschalten und sich entspannt fit zu halten.


Donnerstag, Januar 04, 2007

Generalamnestie?


Das neue Jahr stimmt mich, trotz Erkältung, milde und ich denke darüber nach eine Generalamnestie auszusprechen.

Mein Silvester war eher unspektakulär. Das erste Mal seit Jahren feierte ich nicht bei meiner Schwester sondern auf einer Party. Und das ist kein leichtes Unterfangen wenn man a. keinen Alkohol trinkt, b. nicht raucht oder kifft, c. Menschen generell nicht so leiden kann. Ein Überhang von alkoholisierten Kerlen in besten Beischlafabsichten produzierte sich also laut- und bewegungsstark. Ich gewann schon beim Erscheinen den Eindruck das es nur noch ums Resteficken ging. Das ist nicht schön. Denn die anwesenden Pärchen entwickelten, notgedrungen, einen etwas paranoid wirkenden Aufpasserinstinkt. Ich sah an diesem Abend kein Einzelteil eines Duos für länger als 20 Sekunden alleine, ohne das dann der oder die PartnerIn völlig panisch dreinblickend dazu kam und sofort per Umarmung oder Kuss oder Floskel klarmachte das es sich hier um den eigenen, selbstpersönlichen Liebespartner handelte. Es war schon etwas anstrengend.


Und ich hatte mir vorgenommen ganz unvoreingenommen zu sein und eine gute Nacht zu verleben. Doch schon als wir, Sven und ich, im Hausflur von einer Familie episch-proletarischen Ausmaßes begrüßt wurden und diese uns mitteilten das wir sie später auch noch bei unserem Gastgeber sehen würden, brach bei in mir jede gute Absicht in sich zusammen. Das neue Motto war nun: Wir bleiben bis kurz nach Mitternacht und sind wieder weg bevor die da sind!

Ich habe es wieder vergeigt, ich suchte mir einen guten Platz in einer der Ecken, den Rücken durch eine Wand geschützt und ließ den Griesgram raus. Zwischenzeitlich wurde ich belagert doch auch zu tanzen, doch weder fühlte ich mich zu diesem Zeitpunkt dazu in der Lage, noch wollte ich. Und auch wenn ich es reizend fand von einer, in meinen Augen, nicht unattraktiven Frau belagert zu werden, sie schaffte es tatsächlich mich von meinem Sitzplatz wegzuziehen (135kg Kampfgewicht), war ich doch etwas sehr irriert, daß sie mich einfach stehenließ als ich dann tanzte, entweder habe ich dabei dermaßen bescheuert ausgesehen das ich es mir einfach nicht vorstellen kann, oder ich weiß nicht was das für eine kaputte Bitch ist. Erster Tanz und sie läßt mich mittendrin stehen, obwohl sie mich davor etwa eine Viertelstunde körperlich angegangen hat damit ich tanze. Versteht das jemand und ist in der Lage mir das so zu erklären das ich es nicht als zynisch empfinde, oder besser ohne das es zynisch ist?

Nun gut, mir wurde wieder deutlich vor Augen geführt wie wenig ich doch die Welt verstehe und das mir der größte Teil der Dinge die in ihr passieren für immer verschlossen bleiben wird. Ich muss also davon ausgehen das Entscheidungen die ich in der Vergangenheit getroffen habe, vielleicht von dieser Ahnungslosigkeit beeinflußt waren. Und diese Erkenntnis bringt mich dazu darüber nachzudenken ob eine Amnestie gewissen Personen gegenüber nicht sinnvoll, ja gar wünschenswert wären. Ist das Quatsch?