Samstag, Dezember 23, 2006

Das Beste zum Schluss

Ich wundere mich hin und wieder sehr über mich selbst. Wie weit Herz und Logik auseinander gehen und scheinbar völlig ungehindert nebeneinander existieren können ohne das ich in eine tiefe Sinnkrise gerate.

Beim Training der letzten Wochen habe ich mir einen Nerv eingeklemmt. Dieser Verklemmung hat den unangenehmen Effekt, das mir plötzlich meine linke Brusthälfte sehr weh tat. Da mein Geist sowieso schon durch die Diabetes in den Knien war kam dieser Schmerz denkbar schlecht. Ich dachte doch tatsächlich das ich nur noch wenig Zeit zum Leben habe, weil mein Herz nun auch schlapp macht.

Und an dieser Stelle kam es zu dieser völligen Streitsituation zwischen Logik und Emotionen. Mein Herz sagte mir das ich darauf hoffen sollte das sich das wieder fängt und das ich ja unzerstörbar bin. Und das trotz der Diabetes. Die Logik flüsterte mir zu ich solle doch zum Azrt gehen und das abklären lassen. Was allerdings zur Folge gehabt hätte, in schlechtesten aller anzunehmenden Fälle, das der Arzt meine Hoffnung zerstört und mir sagt ich solle keine Langspielplatte mehr auflegen. Denn wir wissen ja: „ Hoffnung ist nur Mangel an Informationen!“

Auf diese Weise vegetierte ich zwei Wochen lang herum, blieb in meinem Zimmer, rief niemanden an und sah mir die erste Staffel von Ally McBeal an. Ich liess die Geburtstagsfeier eines Freundes der 30 wurde ausfallen und bemitleidete mich um mein baldiges Ende. Ich sprach mit niemandem darüber erst nach diesen zwei Wochen weihte ich Koko in meine Situation ein. Dieser sagte ich solle mir keine Birne machen und zum Arzt gehen.

Nun, Anfang dieser Woche war ich, mal wieder, beim Arzt. Schon als ich ihr die Symptome erklärte winkte meine Ärztin ab und versuchte mich zu beruhigen.Ich beharrte darauf das wir das aber sicher abklären. Sie nahm mir Blut ab und legte mich ans EKG und behielt recht alles tutti paletti.


Warum erzähle ich das alles? In diesen zwei Wochen im dunklen Tal versuchte ich mich auf tausend Weisen abzulenken. Ich kaufte mir Everquest 2 und stieg wieder in ein Online-rpg ein. Ich nutzte jede Gelegenheit um mein Hirn abzuschalten und nicht über meine Situation nachdenken zu müssen. Doch kaum hatte ich die Diagnose meiner Ärztin waren all diese Ablenkungen wieder langweilig, ich kann mich nicht mehr dafür begeistern. Überhaupt gibt es momentan nur sehr wenig was langfristig meine Aufmerksamkeit zu fesseln versteht. Länger als zwei Stunden am Stück vor dem Rechner erscheinen mir als leer. Die Ideen in den Spielen finde ich abgelutscht und langweilig.


Worauf ich aber eigentlich herauswill ist folgendes. Die Erkenntnis das ich Everquest 2 kaufte und spielte um aus der Realität zu entfliehen weil es mir schlecht ging, drängelt mir die Frage auf wie Scheisse es mir gegangen sein muss, daß ich anderthalb Jahre lang World of Warcraft zu meinem Lebensinhalt gemacht habe. Ich habe zum Teil ganze Tage am Stück vor dem Rechner gehockt und habe alles um mich herum vergessen. Wie Scheisse muss es mir gegangen sein?


Also kann ich resümieren, mir geht es gut und besser als seit langem. Ich freue mich am Leben. Ich habe keine Lust mehr es einfach wegplätschern zu lassen und mich zu betäuben. Ich habe 12 kg abgenommen und das macht mir eines klar. Ich hielt es immer für unmöglich jemals mein Gewicht zu reduzieren. Es erschien mir ein riesiges Hindernis zu sein das ich nie bewältigen kann. Und nun wo ich voll dabei bin und sehe das sich etwas bewegt, bin ich voller guter Dinge. Es scheint mir als sei nichts im Leben wirklich unveränderlich. Man muss nur den Arsch hochnehmen und sich reinhängen. Es ist wirklich bedauerlich wieviel Zeit ich verschwendet habe um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Und doch zieht es mich nicht runter, denn ich bin glücklich darüber es nun zu wissen und noch genügend Zeit zu haben etwas aus dieser Erkenntnis zu machen. Alles wird gut.


Ein frohes Fest euch allen.

Hi Guy.

Ich bin nicht zynisch weil ich neidisch bin ich bin zynisch weil.......hmpf. Ok. Punkt an dich. Es ist ja nicht so das ich es ihm nicht gönnen würde. Es gibt diesen blöden Spruch, von wegen : " Erkenntnis ist der erste Schritt zur.....". Ich weiss das alles mit dem zynischen Neid. Neid ist meine persönliche Todsünde. Ich weiss es, aber trotz der Erkenntnis das dem so ist finde ich nicht den Hebel um dagegen vorzugehen. Zugegebenermaßen ahne ich das es mir gefällt mich in dieser Suhle zu sühlen und gelb zu werden. Macht der Gewohnheit? Naja.

Was ich noch loswerden möchte, deine Kommentare empfinde ich meist als ziemlich anregend und konstruktiv. Ich freue mich darüber das jemand der so schreibt wie du, hin und wieder einen Blick in mein Blog wirft. Es liegt in der Natur der Sache das ich mich frage ob wir uns persönlich bekannt sind, denn auf Anhieb fällt mir niemand ein mit dem ich dich in Verbindung bringen würde. Und das würde heissen, also wenn ich dich persönlich kenne, das ich jemanden zu seinem Nachteil ganz übel verkenne.

Also noch einmal ganz ohne Schnörkel, dank dir für deine Anteilnahme.

Mittwoch, Dezember 20, 2006

Es geht zu Ende

Nun geht es zu Ende, aller Unkenrufe zum Trotz war diese WG in der ich lebe ein Hort der Harmonie, der Bildung, der Weisheit, der Vernunft und Menschlichkeit. Doch nun hat es einen von uns aus unserer Mitte gerissen. Die Liebe hat ihm hinterhältig aufgelauert und ihn überwältigt. Noch bevor er um Hilfe rufen konnte ward er ihre fette Beute. Und derartig vergiftet vom Stachel der Liebe meint er nun das einzige Sinnvolle zu tun. Der Topf eilt zu seinem Deckel.

Bis Ende März wird es denn Standort Philippistrasse noch geben, dann wird dieser verlegt, voraussichtlich nach Schöneberg und dort in entweder verkleinerter oder aufgestockter Besetzung weiterexistieren. Ich wünsche dem vergifteten und geblendeten alles Gute auf seiner Reise ins Ungewisse. Vorbei sind die Tage der Freiheit für ihn, es schmerzt mich immer sehr einen Freund an die Liebe zu verlieren. Doch alles was zählt ist die Mission, ich muss ihn zurücklassen.

Mittwoch, Dezember 06, 2006

Wie ich mir den Zeh brach und dadurch Zucker bekam.


Nun ja, es ist schon ein paar Wochen her. Es war an einem Sonntag, meinem letzten Urlaubstag. In den frühen Abendstunden absolvierte ich mein Hanteltraining und ließ die Hanteln nach Abschluss des Trainings einfach dort liegen wo sie mir vor Erschöpfung aus der Hand gefallen waren. Später in dieser Nacht klingelte meine Eieruhr in der Küche um mir mitzuteilen das mein Fisch genug Sonne um Ofen getankt hatte. Wie eine Antilope sprang ich auf um mir meine Nahrung zu sichern und rannte dabei gegen eine der oben genannten Hanteln. Als mein rechter kleiner Zeh Bekanntschaft mit dem Stahl machte, wusste er sofort das sich nun etwas grundlegend verändern würde. Nach einer Viertelstunde Bedenkzeit entschied ich mich ins Krankanhaus zu fahren um einen Arzt mit meinem Zeh zu belästigen. Einen Fuss im Sportschuh, den anderen in einem Flip-Flop sprang ich in ein Taxi und erreichte etwa 25 Minuten später das Krkh Westend. Dort sah sich ein sehr junger Arzt (Tim) meine Fuss an und fragte mich wo es denn weh tun würde. Ich informierte ihn darüber das die Aussenseite des Zeh ganzfürchterlich schmerzen würde und druckempfindlich ist. Trotzdem erblödete er sich mir genau an dieser Stelle den Zeh zu drücken und zu drehen. Den Schlag den er daraufhin auf seinen Oberschenkel bekam quittierte er mit einem entgeisterten Blick.

Ich weiss ja nicht was Ärzte heute lernen, aber ich habe während meines Sanitätslehrganges bei der Wehrm....Bundeswehr gelernt das es absolut keine gute Idee ist an einem Bruch rumzu fuhrwerken, weil der Schmerz den Patienten recht ungehalten machen könnte, was zur Folge haben könnte das dieser sich mit einem Schlag revanchiert (siehe auch Feldtransportschiene).

Der Arzt bestätigte mir was mein Zeh und ich schon wusste, wir waren von einander abgebrochen. Um eine Krankschreibung zu erhalten schickte er mich zu meinem Hausarzt.

Diesen besuchte ich am nächsten Morgen und weil ich schon mal da war nahm ich allen Mut zusammen und fragte sie nach einem Blutuntersuchung da ich schon seit längerem vermutete das mein Blutzucker macht was er will. Und Bingo. Meine Welt brach in sich zusammen, noch am selben Tag humpelte ich zu Hugendubel um mich mit Fachliteratur einzudecken. Es war ganz klar was passieren musste. Kontrollierte Nahrungsaufnahme (böse Kohlenhydrate, böse, böse, böse) und Gewichtsverlust besser gestern als heute. Ich räumte meinen Kühlschrank leer und stellte mich ersteinmal auf die Lebensmittel ein die ich bedenkenlos zu mir nehmen dürfte. Nebenher teste ich 4 mal täglich meinen Blutzucker. Nun nach drei Wochen kann ich mit stolz verkünden das dieser sich wieder im normalen Bereich befindet. Auch Insulin bleibt mir erspart solange ich meine Diät einhalte und mein Zucker nicht mehr steigt. Meine Ärztin sagt das ich damit rechnen könne das sich das in Wohlgefallen auflösen wird wenn ich deutlich abnehme. Also nehme ich ab.

Die Tatsache das ich seit wenigen Monaten vegetarisch lebe macht die Umstellung nicht all zu radikal und einen bewussteren Umgang mit meinem Essen hatte ich dadurch ja sowieso schon begonnen. Ich trainiere täglich und versuche massiv auf jede Bequemlichkeit zu verzichten. Und das obwohl ich der Meinung bin das der Erfinder der Rolltreppe mit einem Nobelpreis ausgezeichnet werden sollte.

Ich bin die ersten zwei Wochen nach der Diagnose durch ein dunkles Tal gegangen und habe mit meinem Leben gehadert. Ich empfand die Krankheit als Schwäche und wollte nicht teilen was mir widerfahren war. Aber schon sehr bald wurde mir klar daß das nicht gehen würde.

Als ich mit Koko und Paulie essen war, wollte ich nichts vom dargebotenen Weissbrot annehmen und sagte nur das ich keines wolle. Paulie quatschte auf mich ein das das Brot lecker sei und ich solle doch welches nehmen. Nimm, nein, nimm, nein, nimm,nein, nimm, NEIN! Es wäre einfacher gewesen einfach zusagen das ich Kohlenhydrate aus Krankheitsgründen meide.

Außerdem habe ich das Gefühl das mich die Krankheit frisst wenn ich sie für mich behalte, ich muss das einfach teilen, ich muss es loswerden. Also seht mir bitte nach das ich dieses Mal nicht mit einer netten kleinen Geschichte aufwarte sondern eher etwas dezenter bin.

Ich wünsche euch allen einen zuckersüssen Nikolaus!