Dienstag, Februar 14, 2017

Spanish bombs

Der Mensch braucht eine Beschäftigung. Bei mir ist das gerade das Malen. Seit zwei Wochen habe ich Spanish bombs von The Clash als Ohrwurm mit heftigem emotionalen Impact. Es macht mich immer wieder traurig und betroffen und wirft die Frage auf: "Was würdest du tun?"
Wer das Lied nicht kennt, hier ein Link:

In mir wuchs der Drang mich mit dem Song auseinander zusetzen und es entstand dabei dieses Bild.

Niemals vergessen! Niemals vergeben!  ¡No Pasarán!

Den gestalterischen Prozess könnt ihr unten verfolgen.



























Freitag, Januar 27, 2017

Batsch!

Meine Probezeit war kurz vor dem Auslaufen. Ich hatte es fast geschafft. Alles sah gut aus, ich hatte keine Ahnung dass es einen Strömungsabriss geben würde. Ich klatschte aufs Gesicht, wie ein Pfannkuchen der aus der Pfanne fällt. Batsch!

Was für eine beschämende Situation.

Mir wurde mitgeteilt dass mein Umgang mit Regeln (Regeln sind Verhandlungssache und sollten nach Sinnhaftigkeit hinterfragt werden) und meine Kommunikation (Wenn du ein Problem mit mir hast, dann komm bitte zu mir) nicht ins Haus passt. Weiterhin würde meine Haltung das Team, welches seit 7 Jahren von meiner Leitungskollegin aufgebaut wurde, zerreißen. Ich würde sie nicht, in ihrem Sinne, vertreten. Mensch wird nun davon ausgehen, dass ich eingeweiht wurde, angeleitet oder sinnvoll begleitet, um ihren Weg zu lernen. Nein, das fand nicht statt. Ich begann einfach. Denn in den ersten Monaten waren andere Maßnahmen wichtiger. Ein Familienzentrum sollte entstehen. Dahinter musste alles andere zurückstehen.
Meine Vorerfahrung?
Ich leitete jahrelang ein kleines Team von drei Leuten. Überschaubar und sehr direkt. Kein Verstecken in der Masse. Hier hatte ich nun 20 Menschen unter mir, verteilt auf zwei Etagen. Manche von denen sah ich manchmal nur alle zwei Tage.
Als stellvertretende Leitung war ich in Doppelfunktion tätig. Ich war sowohl mit einigen Stunden in der Woche (4-6) in der Leitungsarbeit, was meist administrative Tätigkeiten waren, als auch in der pädagogischen Arbeit (33-35). Auch im Rahmen meiner pädagogischen Tätigkeit erhielt ich keine Einarbeitung und dass in einem Haus mit 130-150 Kindern. Und obwohl es, wie ich später erfuhr, die Praxis des Tandems oder Mentor gibt, bei der ein/e neue/e Kolleg*in eine/n feste/n Kolleg*in als Einarbeitungspartner bekommt. Diese/r Kolleg*in hat dann alle Abläufe zu vermitteln und dafür Sorge zu tragen, dass der/die Neue eingearbeitet wird und einen festen Ansprechpartner hat. Daraus ergaben sich natürlich Missverständnisse, ich musste mir alles selbst erschließen und so blieben mir manche Zusammenhänge verborgen. Aber Missverständnisse kann Mensch aus der Welt räumen, wenn miteinander gesprochen wird und eine gewisse Fehlerfreundlichkeit herrscht. Was für Fehler das waren? Ich legte keine Matten in den Schlafraum, ich machte klassische Musik zum Essen und im Kreativbereich an. Fehler die, aus meiner Perspektive einer kurzen Korrektur bedürfen, dann lacht Mensch darüber und alles geht weiter. Nur Mensch kann nicht darüber lachen wenn Mensch nicht miteinander redet!

Rahmenbedingungen.
Ohne die stets erwähnte Situation in den Kindertagesstätten, über die Maßen, bemühen zu wollen, sollte klar sein, dass knapp 150 Kinder laut sind. Und dass es kaum möglich ist diese Kinder sinnvoll und ihren Bedürfnissen entsprechend zu betreuen, wenn die Branche nicht genügend Fachpersonal hat. Wir waren stets unterbesetzt, selbst in den wenigen Wochen wo niemand Urlaub hatte oder krank war. Der Lärmpegel ist enorm taxierend. Es gab Tage an denen standen Kinder direkt vor mir und ich verstand kein Wort von dem was sie sagten.
Ja, ich kenne die Rahmenbedingungen, ja ich wusste worauf ich mich einlasse. Aber welche Wahl habe ich denn? Die Branche baut und baut und die Fachkräfte kommen nicht nach, weil die Politik nicht dafür sorgt dass wir anständig bezahlt werden. Gerade heute stehen meine Kolleg*innen wieder auf der Straße und sind im Warnstreik. Ich liebe meinen Job und ich möchte nichts anderes machen, bei den vorhandenen Rahmenbedingungen muss ich aber auch an mich denken und der Gedanke dass ich irgendetwas anderes machen würde, wenn ich nur davon leben könnte, kam mir nicht nur einmal.
Zu den Rahmenbedingungen zählen auch die Teambildung und der Umgang der Kollegen miteinander. Meine Leitungskollegin bezeichnete sich selbst gerne als Königin ohne die nichts laufen würde. Eine Form von Geltungsdrang die davon lebt dass ihre Untergebenen stets auf sie angewiesen sind. Dies in Form von Zuwendungen wie Trost oder Motivationsgesprächen, sie nannte es ‚Titti‘. Um diese Aufmerksamkeit der Kollegen zu bekommen und damit eine Berechtigung für ihre Position, verhindert diese Kollegin nachhaltig eine Emanzipation der Menschen in ihrem Haus. Sie unterstützt ein Klima in dem es völlig ok ist sich das Maul hinter dem Rücken anderer zu zerreißen. Ein Klima in dem keine Notwendigkeit besteht etwas daran zu ändern. Denn wenn es weh tut ist Mama da und gibt Titti. Sie verhindert so erfolgreich das Entstehen einer konstruktiven Streitkultur in der es möglich ist sich fachlich auseinanderzusetzen ohne sich persönlich anzugreifen. Jede Kritik, die ich in meiner Zeit in diesem Hause, an Kolleg*innen richtete ,habe ich vorher gut durchdacht und versucht konstruktiv und empathisch zu vermitteln und doch stellte sich im Nachhinein heraus, dass sich alle Kolleg*innen persönlich angegriffen füllten und darüber nicht mehr in der Lage waren, neben ihren Befindlichkeiten auch die inhaltliche Ebene zu sehen. Ich will gar nicht behaupten dass meine Art mit Kritik umzugehen perfekt sei und dass ich keine Fehler machen würde, ich sage nur dass ich mir viele Gedanken darum gemacht habe und glaube empathisch und konstruktiv gewesen zu sein.
Mein Ansatz verfolgt eher das Fördern mündiger Mitarbeiter*innen, die für ihre Interessen und Belange selbst einstehen können. Die in der Lage sind sich selbst zu organisieren und niemanden braucht der ihnen ein OK gibt. Die eine fachliche Diskussion führen können, ohne sich persönlich angegriffen zu fühlen. Erwarte ich da zu viel?

Wieso erzähle ich euch das alles? Naja, wie gesagt, bis letzte Woche war alles super. Zumindest dachte ich das. In der Dienstbesprechung gab ich sogar noch überschwängliches Feedback und erzählte wie wohl ich mich fühlte. Niemand widersprach mir oder schien auch nur eine Sorge zu haben. Ist ja auch kein Wunder. Denn sie machten das hinter meinem Rücken, sie sprachen untereinander und mit meiner Leitungskollegin. Nur nicht mit mir. Und so kam es dann, dass ich aus der Pfanne fiel. Viele kleine Missverständnisse hatten sich im Laufe der Zeit zu dicken Schneebällen aufgerollt. Inhalte die ich gerne besprochen hätte, hatten sich über Wochen zu großer Frustration angestaut und die entlud sich nun. Leider dürfte ich dazu nicht mehr Stellung beziehen. Meine Leitungskollegin veranstaltete eine Teamsitzung in der es um meine Personalie ging. Dort hatten, zum wiederholten Male, all jene eine Chance, hinter meinem Rücken, über mich zu reden.
Am nächsten Morgen fuhr ich in die Einrichtung und mir wurde mitgeteilt dass ich in Zukunft nicht mehr dort arbeiten werde. Ich habe nicht erfahren was mir konkret vorgeworfen wurde, ich bekam keine Chance mich gegen diese Vorwürfe zu verteidigen. Ich wurde fallen gelassen.
Nun frage ich mich:“Was soll ich nur daraus lernen?“ Da mir genauere Vorwürfe nicht bekannt sind, laufe ich Gefahr die selben Fehler wieder zu begehen.Sicherlich macht es mich argwöhnischer maulfaulen Kolleg*innen gegenüber. Vom Leiten habe ich gerade die Schnauze gestrichen voll.
Nun sehe ich mich nach einer neuen Stelle um, wieder etwas gelernt und wieder etwas abgegessener.



Montag, Juni 20, 2016

Money for nothing? YES!

Ich bin ein fauler Sack. Daran gibt es überhaupt nichts rumzudeuten. Diesen Umstand will ich benutzen um ein eindeutiges Votum zu einem bedingungslosen Grundeinkommen abzugeben. Als Beispiel soll mir hier eine unerträgliche Situation dienen der ich jeden Montag ausgesetzt bin. Unerträglich ist jetzt vielleicht ein bisschen dick aufgetragen, sagen wir eher: schwer erträglich, langatmig, nicht endend wollend, sinnentleert und überflüssig. Warum erdulde ich diese ominöse Situation? Ganz einfach und etwas ernüchternd, wenn nicht sogar enttäuschend, ich tue es für das Geld. Es ist nicht viel Geld, ich verkaufe eine Stunde meines Lebens für etwa 11 Euro. Niederschmetternd wenn ich das so runter rechne. Ein gesamtes Monatsgehalt kaschiert den Fakt besser. Wie auch immer, jeden Montag bin ich gezwungen 4 Stunden meines Lebens (44€) an einem Arbeitsplatz zu verbringen an dem ich nur einmal die Woche für eben diese 4 Stunden bin. Es ist extrem schwer die Kinder kennen zu lernen und mit den Kolleg*innen wird man bei solch einem Arbeitsrhythmus auch nicht mal eben so warm. Auch habe ich keine feste Gruppe oder bin irgendwie eingeplant. Meist mache ich Vertretungen für abwesende Kolleg*innen. Ich habe mich wiederholt an meinen Arbeitgeber gewandt mit der Bitte diese total bescheuerte Regelung zu überdenken. Ironisch: selbst die Leitung der Montagseinrichtung betont die Sinnlosigkeit meines Einsatzes bei ihnen. Auf meine Frage wieso dann an der Regelung festgehalten wird teilte mir die Leitung mit dass sie es wissen würden, mir aber nicht sagen dürfen!? Wer da Schikane wittert…..
Wie cool wäre das eigentlich?
Die andere Einrichtung in der ich von Di bis FR arbeite möchte mich gerne die ganze Woche haben, ich bin gerne da. Das Team ist toll und die Arbeit macht mir großen Spaß. Eigentlich ist diese Einrichtung der Grund warum ich überhaupt noch bei meinem Arbeitgeber bin. Aber auch von dieser Seite ist kein Wechsel zu bewirken. Die Geschäftsführung verharrt auf ihrem schikanösen Plan. Und ich mache mich klein und bücke mich für ein paar Taler. Niemand hat einen wirklichen Vorteil von der Situation, weder pädagogisch noch wirtschaftlich. Lediglich meine Chefin wichst ihren kleinen Schwanz weil sie mich so schikanieren kann. Ich muss nachdenken, wo war ich?
Ach ja, selbst ich fauler Sack finde diese nutzlos verschwendete Zeit unerträglich. Die Stunden ziehen sich wie Kaugummi. Ich sehne mich danach diese Zeit sinnvoll zu füllen. Für mich ein klarer Beweis dafür, dass eben nicht alle nur noch faul rumliegen würden wenn wir versorgt wären. SO behaupten das nämlich oft die Gegner, ich weiß, total polemisch. Was stimmt ist sicher dass wir alle etwas gechillter wären, wie cool wäre das eigentlich? Boah!
Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde solchen Menschen die Machtbasis entziehen. Niemand müßte sich mehr für ein paar Euro zum Spielball solcher Personen machen. Und das ist nur mein persönlicher Approach zu dem Thema.


Bedingungsloses Grundeinkommen für Anfänger: https://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungsloses_Grundeinkommen

Mittwoch, Juni 15, 2016

Channel my hate to productive

Das letzte Jahr war keine Freude für mich. Ab dem Herbst ging es richtig bergab. Heute kann ich sagen dass diese Bauchlandung nicht nur schlecht war, aber ich habe Sachen erlebt die ich keinem wünsche.
Im Mai habe ich erfahren dass meine Schwester noch 6 Monate zu leben hat. Ich habe damals nicht realisiert wie sehr mich das getroffen hat. Habe ich es doch perfektioniert eine unbewegte Oberfläche zu zeigen. Der Stein fiel ins Wasser, zog aber keine Kreise. Ich wollte dem Arzt glauben dass meine Schwester ja noch jung ist und wir sicher mehr Zeit haben. Zu allem Überfluss habe ich mich dann auch noch mit meiner Schwester verstritten. Es gab keinen Abschied, keine Aussprache. Am 13. August 2015 rief mich meine große Nichte an, sie weinte und teilte mir mit das Mama tot ist. Ich hatte gerade Urlaub und in der Nacht davor bis spät mit Freunden rumgesessen und meinen Urlaub genossen. Ich sprang in ein Taxi und fuhr zur Wohnung meiner Schwester. Meine Nichten waren völlig aufgelöst und vor Ort war alles surreal. Die Polizei war da und ein Arzt. Außerdem jemand der sich als Onkel meiner Nichten vorstellte, den ich aber nicht kannte. Es stellte sich dann heraus dass es sich um den Mann der Tante der Nichten handelte. Erst war ich pissig, denn ich bin ja der Onkel und er nur angeheiratet. Aber der Typ war da und kümmerte sich. Er war sogar vor mir da.
In einer solchen Situation nimmt einen keiner bei der Hand. Die offiziellen Menschen dort, also Bullen und Arzt, informierten mich nur was zu tun sei, wie und wo ich mich hinwenden könne blieb aber offen und ich musste das selbst herausfinden. Praktisch wäre ja eine Broschüre aus der hervorgeht welche Schritte in solch einem Fall zu machen sind und in welcher Reihenfolge. So etwas sollten einem die Profis aushändigen. Ich hätte das gebraucht. Ich übernahm die Organisation und schickte meine Nichten und den Onkel erstmal zum Essen, weg von diesem Ort, damit die Mädels nicht Dinge sehen müssen die sich ins Hirn brennen. Als ich das tat wusste ich noch nicht wie richtig ich mit diesem Vorgehen lag. Ich beauftragte einen Bestatter, der ließ mich Stunden warten. Stunden in denen ich vor dem Haus meiner Schwester saß und mich nicht traute in die Wohnung zu gehen weil ich nicht wusste ob ich den Anblick ihres Leichnams ertragen könnte. Irgendwann, ich glaube etwa 5 Stunden später kamen die Bestatter. Sie waren verplant und strahlten keinerlei Gelassenheit oder irgendeine Form von Professionalität aus. Sie hatten keine richtige Trage dabei und mussten meine Schwester in einem Sarg legen, der dafür nicht vorgesehen war. Um das zu realisieren musste ich nun doch mit in die Wohnung und mich der Situation stellen. Meine Schwester war glücklicherweise mit einem Laken zugedeckt, nur ihre kleinen, nackten Füße guckten heraus. Das werde ich nie vergessen. Die Bestatter entfernten das Laken und so konnte ich ihr nochmal ins Gesicht sehen. Ein toter Mensch sieht nicht wie ein schlafender Mensch aus, er fehlt jede Energie, jede Spannung. Sie nahmen sie und legten sie, wie einen Gegenstand, in den Sarg. Ich fand das lieblos aber was sollte ich tun? Ich stand völlig neben mir.

Die fünf Stunden Wartezeit wollte ich sinnvoll füllen. Einfach nur funktionieren, das war wichtig. Ich nutze die Zeit um unsere Mutter aufzusuchen, die zum Glück nur wenige Busstationen entfernt wohnte. Nach 10 Jahren ohne Kontakt stand ich nun vor der Tür meiner Mutter um ihr mitzuteilen dass ihre Tochter verstorben ist. Meine Mutter reagierte wie ich das vermutet hatte, sie blieb ruhig und setzte sich. Eine einzelne Träne ran ihr über die Wange, sonst keine sichtbare emotionale Reaktion. Sie funktionierte auch einfach und wollte wissen wie weit das mit dem Bestatter und der Wohnung geregelt ist. Wir saßen lange schweigend bei einander nachdem ich ihr erklärt hatte was passiert war und was ich wusste. Sie hat sich bis heute nicht von diesem Schlag erholt.

Die Tage danach waren unwirklich. Ich stand neben mir, tat was getan werden musste. Ich kümmerte mich um alles. Der Vater meiner Nichten kümmerte sich um die Mädels. Ich kümmerte mich um die rechtlichen Belange. Wohnungskündigung und Auflösung. Meine große Nichte ließ sich nicht ausboten und half immer mit wenn ich in die Wohnung ging. Das Leben von jemandem wegzuräumen ist keine Vergnügen. Es war intensiv und eine Reise durch das Leben meiner Schwester, einer Person die ich nicht ansatzweise so gut kannte, wie man sich das vielleicht wünschen könnte.

Ich begleitete meine kleine Nichte zum Jugendamt und war überall da wo es brannte. Ich hatte ja Urlaub und mich im Anschluß daran krank schreiben lassen. Nicht weil ich das wünschte sondern weil meine Ärztin mir das anriet. Ich war gesundheitlich völlig runter. Mein Blutdruck ging durch die Decke und mein Langzeitzucker hing mit dem Blutdruck da oben herum und feierte. In den Jahren vor diesem Zusammenbruch habe ich mich nämlich einen Scheiß um meine Gesundheit gekümmert. Ich hatte aufgegeben und mich damit abgefunden dass ich irgendwann einfach umkippen würde. Jedes Mal wenn mit was weh tat schloss ich mit meinem Leben ab. In diesen 3 Jahren mit dem Kopf im Zuckersand, bin ich, ich weiß nicht wie oft, gestorben. Meine Ärztin half mir langsam wieder auf die Beine, zeigte Verständnis und sah von jedem Druck ab. Sie vermittelte mir einen guten Diabetologen und mittlerweile bin ich wieder im gesunden Bereich. Gut, ich habe immer noch 20 kg zu viel aber mein Zucker und mein Blutdruck sind wieder in Ordnung. Das ist übrigens das Gute was ich einleitend erwähnte.

Während dieser Phase meldete sich meine Arbeit, ich war immer noch krank geschrieben. Am Telefon wurde ich darüber informiert dass es eine Beschwerde über mich gegeben hatte, ich reagierte gelassen, wenn man einen Kinderladen leitet kann man es nicht allen recht machen und irgendjemand ist immer etwas unzufrieden. Leider teilte mein Arbeitgeber diese Gelassenheit nicht. In der Tat hatten sich, in meiner Abwesenheit und ohne ein Gespräch mit mir gesucht zu haben, fünf Familien über mich beschwert. Sie hatten einen Brief an den Träger gerichtet in dem sie mir vorwarfen unfreundlich, angespannt und laut zu sein. Die Beispiele die sie dafür nannten waren allerdings alle dermaßen aus dem Kontext gerissen und verzerrt, außerdem waren es Familien die schon seit Jahren nur Probleme machten weil sie, zum Beispiel darauf verzichteten professionellen Rat anzunehmen und erwarteten dass wir für all ihre verrückten Ideen Verständnis haben. Ich hatte lange Verständnis dafür und ich kam diesen Menschen immer entgegen, so es möglich war ohne meine professionelle Position in Gefahr zu bringen. Ich nahm die Kritik an dass ich durch war, verwehrte mich aber gegen die meisten, aus dem Kontext gerissenen Beispiele der Eltern. Mir vorzuwerfen dass ich laut bin wenn ich in einem Raum mit 20 Kindern Sportspiele mache, ist etwas weltfremd.
Mein Arbeitgeber schenkte den Eltern Glauben. Und obwohl es keine Kritik an meiner pädagogischen Arbeit gab, meine geplanten Elterngespräche sogar als äußerst konstruktiv gelobt wurden, wurde ich beurlaubt. Mein Arbeitgeber setzte mich dermaßen unter Druck dass mir im Gespräch mit meiner Chefin die Tränen gekommen sind. Ich verlor meine Leitungsstelle und meine Stelle als Facherzieher. Ich wurde um 5 Stunden in meiner Arbeit reduziert und versetzt. Wer weiß was noch alles passiert wäre wenn ich nicht in der Gewerkschaft wäre und meine Anwältin nicht so cool gearbeitet hätte.
Noch mal ganz klar, weil Eltern sich über meine Art der Elternarbeit beschwerten bin ich beurlaubt worden und habe fast meinen Job verloren. Das wird später nochmal wichtig.

Ich war persönlich getroffen darüber das meine Kolleginnen nichts taten um mich zu schützen. Ich wurde einfach fallen gelassen. Heute weiß ich dass meine beiden Kolleginnen schockstarr waren. Eine Berufsanfängerin und eine Azubi kann so etwas schon überfordern. Selbst altgediente Hasen wie mich macht sowas fertig. Meiner Leitungskollegin allerdings, 10 Jahre älter als ich, wir haben 5 Jahre eng zusammen gearbeitet. Ich weiß nicht wie oft ich sie gedeckt habe, sie vertreten habe, ihre Fehler mit ausgebügelt habe und einfach nur geholfen habe wo ich konnte. Diese Person ließ mich fallen. Ja, sie sprach sich sogar dafür aus dass ich den Laden zu verlassen habe. Sie hat mich verraten. Ich hoffe ich finde irgendwann die Kraft ihr zu verzeihen, momentan will mir das noch nicht gelingen.

Mein Arbeitgeber, in Person der Geschäftsführung, will mich los werden. Leicht ist das allerdings nicht, denn ich habe einen unbefristeten Vertrag und bin streitbar. Ich kann mich gut daran erinnern dass ich vor dieser Person gewarnt wurde, bevor ich bei diesem Träger anheuerte. Schon beim Einstellungsgespräch vergriff sich diese Person im Ton, dass ich eigentlich hätte gehen sollen. Aber wen interessiert schon die Geschäftsführung wenn man pädagogisch arbeiten möchte? Heute weiß ich dass diese Person das Schlimmste ist was dem Träger passieren konnte und das ihre absolute Art zu herrschen den Träger kaputt macht. Aber noch bin ich da. Auch wenn sie mich völlig schikanös einsetzen. So arbeite ich einen Tag in der Woche für 4 Stunden in einer Einrichtung. Selbst nach einem halben Jahr habe ich kaum Kontakt zu dem Team oder zu den Kindern. Die Leitung der Einrichtung teilte mir mit das sie selbst diese Regelung für völlig sinnfrei hält, aber keine Handlungsmöglichkeit hat. Das muss man sich mal vorstellen!
Die restlichen vier Tage in der Woche arbeite ich in einem Hort in Wilmersdorf und fühle mich dort im Team sehr wohl. Tolle Kolleg*innen und Kinder.

Meine Mutter, sie hat sich nicht erholt von der Nachricht von Tode meiner Schwester. In den Monaten seitdem hat sie stark abgebaut. Nach einigen Monaten im Krankenhaus ist es mir gelungen sie in einem Pflegeheim unterzubringen. Ich bin jetzt der gerichtlich bestellte Betreuer meiner Mutter. Ich sehe sie zweimal die Woche und habe keine Ahnung wie lange sie mich noch erkennt. Ich wollte nicht ihr Betreuer werden, ich weiß wie schwer mir eine solche Arbeit fällt. Immerhin bin ich Facherzieher für Integration und lasse mich eigentlich für solche Dienste bezahlen. Die lange Jahre ohne Kontakt haben meine Bereitschaft zu dieser Aufgabe nicht gestärkt. Und doch, ich konnte es nicht übers Herz bringen, ich habe die Betreuung übernommen. Es erschien mir falsch sie im Stich zu lassen, es wäre die Fortsetzung unserer Lebensgeschichte gewesen. Dass wir immer allein sind wenn wir die Familie am dringendsten brauchen. Meine Schwester starb einsam. Ich hatte mit vielen lieben Menschen lange über die Situation geredet und alle attestierten mir dass es völlig ok sei wenn ich das ablehnen würde. Allein wegen unserer gemeinsamen Vita. Für mich war der Schluß ein anderer, eben diese katastrophale Vita fordert das ich da bin. Das ich den Fluch breche. Auch wenn es nicht leicht ist. Auch wenn ich oft nicht will.

Der Tod ist jetzt nicht mehr unansprechbar. Ich habe ihn als Teil des Lebens akzeptiert, als Teil meines Lebens. Er ist nicht mehr etwas das nur anderen Leuten passiert. Das fühlt sich besser an. Sterben möchte ich natürlich trotzdem nicht, aber was soll man machen?

Und zwischendurch sind noch soviel andere Dinge geschehen. Im Dezember ist Cäthe gestorben. Ein Kind das ich in den Kinderladen aufgenommen hatte. Ein bezauberndes, schwerst mehrfach behindertes Kind auf das ich mich wirklich gefreut habe.
Ich habe liebe Menschen kennengelernt. Ich habe wieder Theater gespielt, unglaublich wie viel Kraft mir das gegeben hat. Meine Arbeit macht mir wieder Spaß. Ich habe 20kg angenommen. Meine Mitbewohnerin hat sich als die beste Freundin herausgestellt die man in solchen Zeiten haben kann. Meine Freundeskreis war voller Anteilnahme.

Ich danke euch allen, die in dieser Zeit zu mir gehalten haben, ohne euch hätte ich nicht den Kopf über Wasser behalten. Freunde sind die Familie die man sich selbst aussucht.

Und jetzt? Ach ja, in meinem alten Kinderladen schlägt die neue Integrationserzieherin einem Kind, zu zwei unabhängigen Anlässen ins Gesicht und darf dort weiter arbeiten. Sie wird nicht mal beurlaubt. Unglaublich was es zu erleben gibt. Guckt euch gut an wo ihr eure Kinder unterbringt.


Ich liebe euch alle :)

Dienstag, April 28, 2015

Die Pille danach.

Motiviert durch eine Diskussion im Bekanntenkreis, entstand die Idee, einen Mann in die Apotheke zu schicken, um die nun rezeptfreie, Pille danach zu kaufen. Meine Erfahrungen könnt ihr euch unten anhören.

Erst war ich in einer Apotheke in der Körtestrasse, dort wurde ich äusserst freundlich und gut beraten. Leider ist die Aufnahme am Anfang etwas leise, sie wird aber nach 2 Minuten lauter. Das plötzliche Ende der Aufnahme, ist durch einen Fehlgriff von mir verursacht. Alles in Allem machte der Apotheker einen sensiblen und entspannten Eindruck.


Danach führte mich mein Weg in eine Apotheke am Marheinekeplatz, wo die Beratung eher unterkühlt und distanziert war. Beide Gespräche habe ich mitgeschnitten, da ich das heimlich tat, ist die Qualität nicht so berauschend, aber beide Gespräche sind gut zu verstehen.


Samstag, Dezember 20, 2014

Weihnachten-eine kleine Offenbarung und ein großes Mimimi


Seitdem ich in Kreuzberg lebe ist die Weihnachtszeit die schlimmste Zeit des Jahres. Das hat nichts mit Kreuzberg zu tun, es geht da lediglich um einen Zeitraum. Ich könnte auch sagen, seitdem ich mich nicht mehr in einer Liebesbeziehung befinde und ich mich mit meiner Familie total verkracht habe, ist die Weihnachtszeit für mich unerträglich. Also seit 4 Jahren etwa.
Ich habe versucht mich dem allen zu entziehen, ich gebe vor es sei mir nicht wichtig, ich würde es nicht feiern. Aber eigentlich feiere ich es nicht weil ich niemanden habe mit dem/der ich es feiern könnte. Ich habe keinen Ort an dem ich bedingungslos willkommen bin, wie all diejenigen die zu ihren Familien gehen. Ich habe keine Freunde die mich einladen. Ich möchte aber auch niemandem zur Last fallen, wegen mir soll keiner auf einen Kartoffelkloß verzichten müssen. Ich möchte nicht mit mitleidigem Blick beschenkt werden und dann für ein Verlegenheitsgeschenk auch noch brav danke sagen. Ich möchte einfach mal wieder willkommen sein und dazugehören.
Besonders schön finde ich die Momente, wenn andere Mitmenschen mir mitteilen wie kacke sie ihr Weihnachten im Familienkreis finden. Da könnte ich heulen. Lieber schlecht feiern als gar nicht feiern. Bei euren Familien seid ihr willkommen, da steht ein Stuhl für euch. Das ist ein Segen den ihr erst begreift wenn es nicht mehr so ist. Seid glücklich über eure Lieben.

Ich bin Weihnachten alleine.
Und langsam frisst es mich auf.
Ich bin entwurzelt und gehöre nirgendwo mehr hin.

Donnerstag, Oktober 02, 2014

No isms, no schisms.

Nichts was menschlich ist, ist mir fremd. Ich versuche jedem und jeder offen zu begegnen. Ich bin nicht der Meinung dass ein Mensch besser sei als der andere. Ich denke auch nicht das einer mehr Rechte als der andere haben sollte, geschweige denn sollte ein Mensch über den anderen herrschen.
Das ist für mich eine Frage des Respekts, der auf einer ganz einfachen Frage beruht."Wie möchte ich behandelt werden?" Es mag vielleicht nicht für jeden oder jede einfach sein sich diese Frage unvermittelt zu beantworten, aber bei den meisten Menschen höre ich sowas wie: "Ich möchte dass die Menschen nett zu mir sind." Soweit, so gut. In einer ganz einfachen Sprache ist hier eine grundlegende Wahrheit kommuniziert worden. Für fast jeden oder jede verständlich und nachvollziehbar.

Bei einschlägigen Diskussionen im sozialen Netzwerk hat sich eine Elite von MeinungsbildnerInnen herausgebildet, die ihren Wissenschatz und ihre Einsichten nur mit denen teilen die kaum widersprechen. Und wenn sie das tun, dann benutzen sie eine Sprache, die den Zugang für jeden interessierten Menschen erschwert. Denn nicht nur die elaborierte Sprache sondern auch eine Liste von Dos and don'ts wollen beachtet werden. Diese Liste wird nun aber nicht für alle zugänglich gemacht oder gar zur Diskussion gestellt, sie wird einfach als gegeben und massgeblich vorausgesetzt. 

Als ich anfing mich mit Sexismus und Feminimus zu beschäftigen, war ich erschüttert wie viele Frauen in meinem Umfeld bereits resigniert hatten. Sie hatten es satt ignoranten Menschen, ein ums andere Mal wieder, zu erklären worum es ihnen geht. Ich bat diese Frauen nicht aufzugeben und weiterhin offen solidarisch mit denen zu sein, die noch Kraft hatten sich mit der Materie auseinderzusetzen. Ich erinnere mich aber auch gut an die ersten Monate in denen mich das Thema zu interessieren begann, ich war kleinlaut in Diskussionen, ich hörte lieber zu, ich hatte Angst etwas dummes zu sagen und damit unbeabsichtigt zu provozieren. Denn eines war mir sofort klar, als meine Augen offen waren, die ungleiche Behandlung von Männern und Frauen, auf jeder gesellschaftlichen Ebene, stank zum Himmel. Auf ganz grundlegender, emotionaler Basis war mir klar, dass scheisse war, was passierte. Eifrig sprach ich mit anderen Menschen, mit Frauen und Männern, in der Hoffnung diese grundlegende, emotionale Erkenntnis bei ihnen ebenfalls auslösen zu können. Pustekuchen. Ich rannte gegen eine Wand von Desinteressierten, Ignoranten, Bequemen, Besserwissern, Heuchlern und Ja, aber-Sagern. Schnell war die Puste raus, schneller als die Frauen, die ich gebeten hatte weiterzumachen, reihte ich mich bei ihnen ein.
Was mir seit dem Sorge bereitet ist die Art wie die Diskussionen geführt werden. Das ist kein offenes Gespräch mehr, wo jede oder jeder eingeladen ist teilzunehmen. Es ist ein verschworener Haufen von EigenbrödlerInnen die neidisch und ganz genau beobachten wer welche Position vertritt. Dabei wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, so daß ich verstehen kann wenn jemand es da lieber runterschluckt. Problem dabei ist, dass sich aus dieser Situation heraus keine offene und große Diskussion ergeben kann. So reden immer nur die Fachmenschen beider Seiten gegen- und miteinander. So bleibt es immer ein Theorem, das es schwer hat sich in der Praxis zu beweisen.

Wir wollen eine breite Basis erreichen, wir wollen dass uns Menschen zuhören. Das können wir nur erreichen durch Offenheit und Begegnung und eine Sprache und Haltung die einlädt mit zu diskutieren. Leider findet das momentan in meinem Bekanntenkreis nicht statt.
Ich halte es für wichtig diese schweren Themen so aufzubereiten das jede/r sie verstehen kann. So als würden wir sie Kindern erklären. Kurz: Ich bin nett zu dir weil ich möchte das du nett zu mir bist, denn dann sind wir Freunde und Freunde können alles erreichen.